Archiv für November 2014

8. November 2014: Treffen an Buraks Todesstelle um 13 Uhr

Am 08.11.2014 wollen wir das Beet an Buraks Todesstelle, an der der ungeklärte Mord an Burak am 05.04.2012 statt fand und Alex und Jamal lebensgefährlich verletzt wurden, begrünen. Wir laden Euch um 13 Uhr zur Rudower Straße 51 (Berlin-Neukölln/Buckow) ein.

Gedenken an Opfer des NSU in zehn deutschen Städten

Straßenumbenennungen in Köln, München, Nürnberg, Kassel, Jena, Berlin, Göttingen, Bremen, Wuppertal und Frankfurt a.M.

Am 4. November 2014, drei Jahre nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), wurden zeitgleich in ganz Deutschland Straßen in Gedenken an die Opfer der rassistischen Mordserie und der Bombenanschläge umbenannt. Rund 500 Personen nahmen bundesweit an den Gedenkveranstaltungen teil. Eingeladen hatte ein Zusammenschluss von Initiativen, der eine lückenlose Aufklärung des NSU-Komplexes fordert.

„Uns war es wichtig am heutigen Jahrestag den Blick auf die NSU-Opfer zu lenken und die Angehörigen in ihrer Forderung nach einem würdigen Gedenken zu stärken“, kommentierte Manuel Friedrich vom Initiativenbündnis. Zu häufig werde den Wünschen der Betroffenen nicht entsprochen.

Im Laufe der Mord- und Anschlagserie des NSU wurden die Betroffenen immer wieder einer Opfer-Täter-Umkehrung ausgesetzt. Sie wurden von den Ermittlungsbehörden verdächtigt und in der medialen Öffentlichkeit mit rassistischen Zuschreibungen wie „kriminelle Ausländermilieus“ stigmatisiert. Gleichzeitig konnten die Täter über Jahre hinweg unbehelligt morden.

„Die Betroffenen haben über die ganzen Jahre auf die offensichtlich rassistische Motivation der Taten hingewiesen. Ihre Perspektive wurde jedoch missachtet. Für diese Perspektive machen wir uns stark. Während der NSU-Terror Orte und Menschen mit Leid und Schrecken überzog, spannen wir heute zwischen ihnen ein symbolisches Band der Solidarität“, so Friedrich.

Fotos der Straßenumbenennungen http://www.bit.ly/nsuopfer
Überregionaler Pressekontakt: Initiative „Keupstraße ist überall“, medien@keupstrasse-ist-ueberall.de

Zum Aufruf zur Umbenennung des Kurfürstendamms Ecke Joachimsthaler Straße in Mehmet-Kubaşıkdamm Ecke Keupstraße (Berlin)

Redebeitrag am 01.11.2014 auf der Demo „NSU: Staat & Nazis Hand in Hand“ Berlin-Wedding

Die Initiative hat sich gegründet weil es auch hier in Berlin einen Mord nach dem Vorbild der NSU Morde gegeben hat.

Am 5.4.2012 wurde Burak in Neukölln auf der Straße erschossen. Zwei andere junge Männer wurden durch Schüsse schwer verletzt. Wie bei den NSU Morden gibt es auch hier kein erkennbares Motiv. Auch hier ist die Berliner Polizei nicht in der Lage, diese Tat aufzuklären. Oder ist sie nicht willens, Schlüsse aus den Erkenntnissen aus den Untersuchungen zum NSU zu ziehen?

Die Morde des sogenannten NSU sind nicht aufgeklärt, sondern durch die Nazis selbst bekannt geworden. Die Morde wurden nachweislich nicht aufgeklärt, weil die Ermittlungsbehörden sie nicht aufklären wollten, nicht weil es Pannen gab!
Nachweislich haben Rassistische Vorwegannahmen die Ermittlungen geleitet. Das mindestens ist durch Untersuchungsausschüsse belegt.
Wir sehen durchaus Parallelen zwischen den Ermittlungen zu den Morden des NSU und denen zu Burak.
Auch beim Mord an Burak gerieten nicht zuerst und nach den Morden des NSU naheliegend, Nazis ins Visier der Ermittler, sondern ein völlig unbeteiligter Mensch mit türkischem Namen.

Die Ermittlungsakte trägt bis heute diesen Namen eines Mannes, der nur verdächtigt wurde, weil er diesen Namen trägt. Inhaltlich jedenfalls war dieser Verdacht völlig ohne Grundlage.

Wir stellen 3 Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU fest (?), dass die Polizei ihre Arbeitsweise nicht wesentlich verändert hat.
Wir haben unsere Fragen und unsere Informationen in einer Anfrage an den Senat den Ermittlungsbehörden zukommen lassen. Die Antworten lassen nur den einzigen Schluss zu: die Ermittlungsbehörden sind auch heute noch nicht willens, irgendeinem Hinweis nachzugehen:
Auf unsere Frage, ob es einen Zusammenhang zum Reichsbürgerspektrum geben könnte, gab es die unglaublich freche Antwort: „Es existiert kein polizeilich definierter Begriff eines Reichsbürgerspektrums.“

Und das ist nur ein Beispiel unsäglichen Verhaltens ggü. Nachfragenden.

Die Anzeige gegen eine Frau, die den Mord an Burak öffentlich gebilligt hat und auch ausspricht, dass sie hoffe, dass niemand ermittelt wird, wird nicht ernst genommen. Was aus den Ermittlungen geworden ist, wissen wir nicht. Das lässt nur den Schluss zu, dass es keine Ergebnisse gibt. Sonst hätten die Ermittler sich damit hervorgetan und die Presse informiert.

Wir sind heute, zweieinhalb Jahre nach dem Mord ziemlich sicher, dass von den Ermittlungsbehörden keine Aufklärung zu erwarten ist, dass sie die Ermittlungen nicht weiterführen. Nur wenn der Täter in eine Situation gerät, dass er sich selbst stellen muss, kann mit einer Aufklärung des Mordes an Burak gerechnet werden.

Wir werden nicht Ruhe geben, bis wir wissen, wer Burak getötet und Jamal und Alex so schwer verletzt hat.

Wir wollen qualifizierte Antworten auf unsere Fragen.
Die Burak-Initiative wird so lange fragen „War das Motiv wieder Rassismus“ bis die Ermittlungsbehörden bewiesen haben, dass dem nicht so ist.

Wir laden Euch ein, bei unseren Mahnwachen, bei denen wir diese Frage öffentlich stellen, teilzunehmen.

Nie wieder sollen Opfer vergessen werden und Angehörige alleine mit dem Schmerz stehen und nie wieder soll es eine Situation geben, in der niemand die naheliegendsten Vermutungen über die Täter für möglich hält.