Archiv für April 2018

Demonstration gegen rechten Terror in Neukölln

Schluss mit dem rechten Terror – Solidarität mit den Betroffenen

15:00 Uhr: Auftaktkundgebung Bat-Yam-Platz (Nähe U7 Lipschitzallee)
16:30 Uhr: Abschlusskundgebung Gedenkort Burak Bektaş (Nähe U7 Britz Süd)

Den Aufruf beim Bündnis Neukölln lesen – https://www.buendnis-neukoelln.de/

Umbruch Bildarchiv: Ein Denkmal für Burak Bektaş

weitere Fotos unter umbruch-bildarchiv.de

700 Menschen beteiligten sich am 8. April 2018 an einer Demonstration für Burak Bektaş anläßlich seines 6. Todestages. Mit der feierlichen Enthüllung einer Skulptur machen die Familie und die Initiative die Stelle gegenüber dem Neuköllner Krankenhaus, an der Burak ermordet wurde, zu einem dauerhaften Gedenkort.

Am 5. April 2012 wurde Burak von einem unbekannten Täter auf offener Straße in Neukölln von einem Unbekannten erschossen und zwei seiner Freunde, Alex und Jamal, lebensgefährlich verletzt. Sie konnten nur durch Notoperationen gerettet werden. Der Täter ist nach wie vor von der Polizei nicht ermittelt worden. Es gibt Hinweise, dass der verurteilte Mörder Rolf Zielezinski, der Luke Holland am 20. September 2015 umbrachte, auch der Mörder von Burak Bektaş sein könnte.
Am Sonntag,den 8. April rief die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş zur Gedenkdemo ab U-Bahnhof Britz-Süd auf. Über 700 Menschen schlossen sich der Demonstration an. Sie hörten Redebeiträge und Grußbotschaften von Initiativen, die auch an anderen Orten für die Aufklärung und gegen das Vergessen weiterer Todesopfer rassistischer Gewalt kämpfen – wie zum Beispiel in Dessau, Dortmund, Hamburg, Kassel und Mölln. Gemeinsam mit den Familienangehörigen und der Initiative enthüllten sie am Gedenkort die Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“.

Redebeitrag des Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge in Mölln 1992

- gehalten bei der Demonstration „Burak unvergessen – Aufklären und Erinnern“ am 8. April 2018 in Berlin Neukölln-Süd:

Liebe Familie und Liebe Freundinnen und Freunde von Burak, liebe Initiative
für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş

ich danke Ihnen, dass wir eingeladen wurden, hier zu sprechen.
Ich bin hier für den Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag in Mölln 1992.
Ibrahim Arslan konnte leider nicht kommen. Er bedauert das sehr, aber ich soll von ihm und von seiner ganzen Familie die liebsten Grüße und die besten Gedanken ausrichten. Und ich möchte mich gerne anschließen. In der Freundschaft mit der Familie Arslan habe ich erfahren, wie schwer diese Jahrestage immer wieder sind und ich wünsche euch deshalb viel Kraft. Für alle, die den
Freundeskreis nicht kennen:
Das Haus der Familie Arslan wurde am 23.11.1992 von Nazis mit Molotow-Cocktails angezündet. Bei dem Anschlag wurden die 10jährige Yeliz Arslan, die 14jährige Ayşe Yilmaz und die 51jährige Bahide Arslan ermordet. Weitere Familienmitglieder wurden teilweise sehr schwer verletzt.
Die Überlebenden kämpfen seitdem darum, dass ihre Liebsten so erinnert werden, wie die Familie es wünscht und so würdevoll, wie es Yeliz, Ayşe und Bahide zusteht und wie es jedem Menschen zustehen sollte. Und im Freundeskreis sind wir dabei an ihrer Seite.

Liebe Familie Bektaş, dear family Holland, liebe Anwesende,

Gedenken ist immer mit den Menschen verknüpft, an die gedacht wird. Es geht um die Menschen, die fehlen; darum, sie sichtbar zu machen. Ihr Leben, ihre Liebe, ihre Wünsche und Träume.
Das könnt nur ihr als Angehörige, als Freund*innen. Ihr habt Burak gekannt. Euch fehlt er, ganz direkt.
Wenn es ein Gewaltverbrechen gab, wenn es ein rassistischer Anschlag war, dann verschwinden diese Menschen oft.
Gesprochen wird vielleicht über die Tat. Aber selten über die Ermordeten. Wer waren sie? Wie möchten sie erinnert werden? Wie möchten ihre Angehörigen, dass an sie erinnert wird? Wie möchten ihre Angehörigen, dass in der Öffentlichkeit an sie erinnert wird?
Denn das Erinnern kann manchmal, auf einmal, sehr öffentlich werden – und auf die Gefühle der Familie, der Freundinnen und Freunde, der Liebsten, wird dann selten Rücksicht genommen.

Gedenken ist immer auch ein Erinnern an Gewalt. Und es macht gewalttätige Strukturen sichtbar. Strukturen wie Rassismus. Rassismus, der diese Gesellschaft prägt, seit es Deutschland gibt. Dem Rassismus gegen die Menschen in den Kolonien. Dem Antisemitismus und Rassismus der Nazis. Dem Rassismus gegen Roma und Sinti. Dem Rassismus gegen all die Menschen, die als Gastarbeiter*innen kamen. Und dem Rassismus, der sich gegen Menschen richtet, die hierher fliehen mussten. Es sind diese Rassismen, die Hassreden und Pogrome und Morde ermöglichen.

Gedenken hat viele Seiten: Wut und Stille, Trauer und Verzweiflung.
Die Erinnerungen an die Ermordeten, die Erinnerungen an die Nacht, den Tag, die Erinnerungen an das Davor und das Danach sind für euch Betroffene wahrscheinlich weder vorhersehbar noch planbar. Genauso wenig sollte Gedenken statisch und formelhaft sein.
Es sollte Raum geben für all diese Gefühle.
Alle, die an eurer Seite sein wollen, sollten das aushalten können.

Deshalb sollten die Vorstellungen der Überlebenden und Angehörigen der Ermordeten der Maßstab für das Erinnern sein. Einigen von Euch ist es möglich, von dem Geschehenen zu erzählen. Einigen von Euch fällt es schwer. Eure Stimmen sind wichtig. Wir wollen sie hören.
Einige ziehen es vor, ihr eigenes Gedenken nicht zu öffentlich zu zeigen. Das sollten wir genauso respektieren.
Unsere Aufgabe als Antirassistinnen und Antifaschistinnen sehen wir darin, dazu beizutragen, Orte des Sprechens, des Erinnerns und der Begegnung zu schaffen. Und Gedenken gemeinsam mit euch zu gestalten, wenn ihr es wollt. Und euch hierfür Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
Wir wünschen euch und uns allen, dass dieser Gedenkort für Burak ein solcher Ort wird. Und das wir alle, die heute hier sind, mehr solcher Orte schaffen.

Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge in Mölln 1992

Grußbotschaft von Überlebenden des Brandanschlags in Lübeck

Grußbotschaft zur öffentlichen Anklage und zum Gedenken an Burak Bektas – 8. April 2018.
Wir sprechen für die ‚AG. zu rassistischen Ermittlungen‘ in der ‚Antifaschistischen Aktion Hamburg‘.

Wir möchten eine Grußbotschaft von Überlebenden des Brandanschlags in Lübeck verlesen:

In Gedanken, in eurer Trauer und Anklage sind wir bei euch am Gedenkort für Burak, der am 5. April 2012 mutmaßlich von dem bekannten Faschisten Rolf Zielezinski an der Rudower Straße in Neukölln ermordet wurde. Aus nächster Nähe schoss er in eine Gruppe von fünf Jugendlichen: Burak starb, Alex und Jamal, zwei seiner engsten Freunde wurden lebensgefährlich verletzt.

Mit euch trauern wir und klagen an: durch den Brandanschlag vom 18. Januar 1996 wurden 38 Geflüchtete lebensgefährlich verletzt – 10 Asylsuchende wurden von 4 Faschisten in ihrer Unterkunft in Lübeck ermordet:

Sylvio Ammoussoau – Togo – Sylvio wurde 27 Jahre alt
Maiamba Bunga - Angola – Maiamba wurde 27 Jahre alt
Nsuzana Bunga – Angola – Nsuzana wurde 7 Jahre alt
Rabia El-Omari – Libanon – Rabia wurde 17 Jahre alt
Francoise Makodila – Zaire – Francoise wurde 32 Jahre alt
Christine Makodila – Zaire – Christine wurde 17 Jahre alt
Miya Makodila – Zaire – Miya wurde 14 Jahre alt
Christelle Makodila – Zaire – Christelle wurde 8 Jahre alt
Legrand Makodila – Zaire – Legrand wurde 5 Jahre alt
Jean-Daniel Makodila – Zaire – Jean-Daniel wurde 3 Jahre alt

Hier hat der NSU seinen mörderischen Anfang genommen: wir haben den Lübecker Brandanschlag überlebt. 10 Menschen aus afrikanischen und arabischen Ländern, mit denen wir in Frieden und Freundschaft gelebt haben, wurden in dieser Nacht verbrannt – 38 Menschen überlebten diesen Anschlag schwer verletzt. Damit nicht wieder Deutsche die Täter sein sollten, sind wir beschuldigt worden, den Brand gelegt zu haben. Unser Sohn, Bruder und Freund musste frei gesprochen werden. 4 faschistische Jugendliche mit frischen Brandspuren aus dieser Nacht sind nicht zur Verantwortung gezogen worden, obwohl insgesamt 4 Geständnisse von ihnen vorliegen, die sie in der Haft abgelegt haben.
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Die NSU-Morde wurden von einem faschistischen Netzwerk verübt, zu dem mehr als 200 Aktive gehören. Das Münchner Verfahren wird in Kürze abgeschlossen, ohne die Verflechtung der Täterkollektive im sozialen Umfeld, im Staatsapparat, in der Politik, in den Medien aufzudecken. Zu diesem faschistischen Netzwerk gehört auch der mutmaßliche Täter Rolf Zielezinski, ein Verehrer des Gerhard Kaindl – Neonazi-Kader der ‚Deutschen Liga für Volk und Heimat‘, der sich der Tradition des Kz-Lagerkommandanten von Sachsenhausen, Anton Kaindl, verpflichtet fühlte. Er war verantwortlich für zahlreiche mörderische Angriffe auf AntifaschistInnen und MigrantInnen – er erlag nach einer Auseinandersetzung mit Antifaschisten am 3. April 1992 seinen Verletzungen.

Die Ermittlungen zum Mord an Burak, an Luke Holland, der im September 2015 von dem bekannten Faschisten Rolf Zielezinski erschossen wurde und der Mord an Sylvio Meier im November 1992 zeigen, dass es eine politische Entscheidung gibt: diese Taten und ihre Hintergründe sollen nicht aufgeklärt werden.
Die Verantwortlichen sollen nicht zur Rechenschaft gezogen werden – nicht die geistigen Brandstifter – nicht die Akteure der extremen Rechten – nicht die Herrschenden mit ihren V-Mann-Seilschaften, Verdunkelungsapparaten und entschuldenden Spruchkammern – nicht die Hetzer und Claqueure der Medien.
Sie sind die Täterkollektive, die Opfer zu Tätern machen wollen, bis ihre rassistischen Anschuldigungen in sich zusammenbrechen. Sie hetzen und verletzen, sie jagen und erschlagen, sie machen uns Opfer zu Tätern ihrer Verbrechen.

In Lübeck wollten die Ermittlungsbehörden aus der Kolonialgeschichte afrikanischer und arabischer Völker Feindschaft und Motiv für diesen mörderischen Anschlag konstruieren. In zahlreichen Erklärungen sind die Überlebenden des Brandanschlags von Lübeck allen Spaltungsversuchen entgegen getreten mit ihren Erklärungen: ‚Wie hält man einen Sklaven, Herr Staatsanwalt?‘ und ‚Es wird ihnen nicht gelingen, uns zu spalten!‘ und ‚Wir sind behandelt worden wie Verbrecher!‘ Sie haben für ihr beschädigtes Überleben gekämpft: für ihre Rehabilitation, ihren Aufenthalt, ihre Unterstützung für den Verlust des Lebens, der Gesundheit, der wenigen Habseligkeiten, die sie in den Flammen verloren.

Und: in lähmender Resignation klagen sie heute ein:
‚Trotz Freispruch haben sie uns verurteilt!‘

Wir folgen der Entschlossenheit der Familien Bektas, Arslan, Avci, Tasköprü, Yozgat, Kubasik, Simsek, Oury Jalloh, die in Selbstermächtigung ihre Wut über die Morde an ihren geliebten Angehörigen auf die Straße und in öffentliche Räume getragen haben – ihre Empörung über die rassistischen Ermittlungen, die sie verdächtigt und verfolgt haben, um die Täterkollektive zu schützen.

Wir folgen ihrer Initiative, nicht in Tränen zu ertrinken – nicht an ihrem Schmerz zu ersticken – nicht um Gerechtigkeit zu bitten – nicht Täter, geistige Brandstifter und Entscheider aus der politischen Verantwortung zu entlassen.

Lasst uns die Opfer-Familien und -Initiativen zusammenbringen zu einer mächtigen antirassistischen und antifaschistischen Bewegung.
!!! BREAK THE SILENCE !!!

Hafenstraße’96 – Gedenken & Anklagen Lübeck

Redebeitrag der Autonomen Antifa Neukölln

- gehalten bei der Demonstration „Burak unvergessen – Aufklären und Erinnern“ am 8. April 2018 in Berlin Neukölln-Süd:

Liebe Mitdemonstrierende, liebe Passant_innen, liebe Anwohner_innen,

Nach den erneuten neonazistischen Brandanschlägen im Februar diesen Jahres bleiben Neukölln und seine Nazis in aller Munde. Die aktuelle Serie von Bedrohungen und Angriffen gegen Privatwohnungen, Cafés und Buchläden – die seit Mai 2016 anhält – sorgt zu Recht für Aufsehen.

Ein Verdächtiger der jüngsten Anschläge ist Sebastian Thom. Der bekannte Ex-NPD-Kader wurde 2016 unmittelbar vor den ersten Anschlägen aus dem Gefängnis entlassen und ist eng verbunden mit dem Neonazi Julian Beyer, einem der führenden Köpfe der „Freien Kräfte Berlin Neukölln“.

Obwohl lokale antifaschistische Strukturen von Anfang an sowohl auf Thom als auch auf Beyer als mögliche Täter hingewiesen hatten, folgten erst jetzt Hausdurchsuchungen. Dass die Polizei erst nach anderthalb Jahren tätig wurde, zeigt wieder einmal, dass auf staatliche und polizeiliche Ermittlungen kein Verlass ist, besonders nicht, wenn es darum geht, gegen Neonazis und rassistische Gewalt vorzugehen. Wenn die Leiterin der Rechtsextremismus-Abteilung des LKA wie jüngst behauptet, die Berliner Polizei hätte ihre Lehren aus dem NSU gezogen, dann ist das blanker Hohn. Denn der Mord an Burak ist bis heute unaufgeklärt. Er wurde bisher ebenso wenig als rechter Mord eingestuft, wie der Mord an Luke Holland.
Offensichtlich Zusammenhänge zwischen den beiden Fällen werden systematisch ausgeblendet.

Beide Fälle sind auch vor dem Hintergrund überschaubarer, aber gut organisierter Nazistrukturen zu sehen, die schon länger insbesondere im Süden Neuköllns ansässig sind. Über Jahre arbeiten sie daran, den Berliner Südosten zu einem Ort zu machen, an dem Menschen mit Migrationsgeschichte und politisch Andersdenkende sich nicht mehr ohne Angst bewegen können. Diese Strategie äußerte sich vor allem in rassistischen Angriffen, aber immer wieder auch in gezielten Attacken auf vermeintliche politische Gegner_innen und ihre Treffpunkte.

Aufgrund wachsenden antifaschistischen Widerstandes änderte die Neuköllner Naziszene ihr Vorgehen. Ihr Fokus liegt seitdem auf nächtliche Anti-Antifa Aktionen im Norden des Bezirks. In Kiezen also, die den Ruf haben, vermeintlich sichere Wohn-und Ausgehgegenden zu sein.
Unbehelligt von der Polizei und so genannten Sicherheitsbehörden konnten sie ihr klandestines Vorgehen über Jahre perfektionieren. Eine militante Zelle knüpfte unter dem Label „Freie Kräfte Berlin Neukölln“ an die Aktivitäten des ehemaligen „Nationalen Widerstandes Berlin“ an und veröffentlichte im Sommer 2016 eine Liste mit linken Lokalitäten, samt kaum verhohlenem Aufruf, gegen diese vorzugehen. Zum Jahrestag der antisemitischen Novemberpogrome am 9. November wurde dann eine Auflistung mit jüdischen Einrichtungen in Berlin veröffentlicht.
Vergangenes Jahr wurden in einer koordinierten Aktion zahlreiche zur Erinnerung verlegte Stolpersteine gestohlen oder beschädigt.

Eine Polizei, die auf ganzer Linie versagt. Der Mord an Burak weiterhin nicht aufgeklärt. Nazis, die unbehelligt Brandanschläge verüben. Eine Neuköllner CDU, die sich nicht zu schade ist, in der BVV mit der AfD gemeinsame Sache gegen zivilgesellschaftliche Anti-Naziarbeit zu machen.
In diesem Klima ist es wichtiger denn je, die vorhandenen Strukturen zu stärken und auszubauen. Organisiert euch, werdet aktiv und lasst Nazis und Rassist_innen nicht aus den Augen.

Recherche, Analyse, Aktion – Antifa bleibt Handarbeit!

Die Künstlerin Zeynep Delibalta und die Skulptur des Gedenkort – Einweihung 8.4.2018

Gehalten am 8. April 2018 bei der Demonstration „Burak unvergessen – Aufklären und Gedenken“ und der anschließenden Einweihung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“

Redebeitrag der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş:

Liebe Freundinnen und Freunde,

Der unaufgeklärte Mord an Burak Bektaş, zwei seiner Freunde überleben schwer verletzt, – die Frage nach dem Motiv Rassismus – Ein Täter der noch frei rumläuft, … Das ließ auch die Künstlerin Zeynep Delibalta nicht los.
Daher nahm sie den Auftrag der Burak-Initiative und den Wunsch der Familie Bektaş dankend an, eine Skulptur für den Gedenkort für Burak Bektaş zu gestalten..

Zeynep Delibalta hat das Modell der Skulptur im September 2017 fertiggestellt. Das war die letzte künstlerische Arbeit, die sie in ihre Hände nahm. Unsere Zusammenarbeit mit Zeynep dauerte über 5 Jahre. Ende Juni hatte sie uns über ihre gesundheitliche Verfassung informiert. Am 19. Dezember verstarb sie im Hospiz. Drei Tage später ging Zeynep auf ihre letzte Reise nach Zonguldak zum Kreis ihrer Familie.

Zeynep Delibalta wollte Leid und Schmerz, die eine Mutter in so einem Fall empfinden würde und die sie nur annähernd erahnen konnte, zum Ausdruck bringen. Sie wollte die Wut und die Ohnmacht, die Sinnlosigkeit einer solchen Tat und die quälende Ungewissheit in der Skulptur wirken lassen. Es ist ein Zeichen, das über den Mord an Burak hinaus an rassistische Morde und unaufgeklärte Fälle erinnern soll. Ihre Gefühle spiegeln sich nun in dieser Skulptur. Sie nannte die zwei Meter hohe, spiralförmige, unübersehbare Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle!“ (mehr…)

Redebeitrag: Einige Worte zum Anlass unserer heutigen Demonstration und Gedenkveranstaltung:

Gehalten am 8. April 2018 bei der Demonstration „Burak unvergessen – Aufklären und Gedenken“ und der anschließenden Einweihung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“

Redebeitrag der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş:

Vor sechs Jahren, am 5. Aril 2012, stand Burak Bektaş gemeinsam mit Freunden an der Bushaltestelle gegenüber des Krankenhaus Neukölln. Sie hatten sich gerade zufällig getroffen und unterhielten sich – als plötzlich ein unbekannter älterer Mann auf die Gruppe zu kam, seine Waffe zog und mehrfach auf die Jugendlichen mit vermeintlichem Migrationshintergrund schoss. Er verließ den Tatort ruhig und ohne ein Wort gesagt zu haben. Es hatte keine Beziehung zwischen den Jugendlichen und dem Mörder gegeben. Ein halbes Jahr nach dem Bekanntwerden des NSU fühlten sich viele sofort an diese Mordserie erinnert.

Burak Bektaş war damals 22 Jahre alt und wurde bei dem Angriff getötet, zwei seiner Freunde wurden lebensgefährlich verletzt.

Wir alle sind heute hier, um zu zeigen, dass die Angehörigen, Freunde und Freundinnen von Burak Bektaş mit ihrer Trauer, ihrem Schmerz, ihrer Angst und ihrem Kampf um ein angemessenes Gedenken und Aufklärung dieses Mordes nicht allein sind!
Wir werden dazu im Anschluss an diese Demonstration am Gedenkort für Burak gemeinsam die Skulptur einweihen. Sie wurde von der Künstlerin Zeynep Delibalta gestaltet und trägt den Titel „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“. Buraks Mutter, Melek Bektaş, hatte sich einen unübersehbaren Gedenkort gewünscht, damit Burak auch im öffentlichen Raum angemessen gedacht werden kann und die Tat genauso wie die fehlende Aufklärung im öffentlichen Bewusstsein verankert wird. Der Gedenkort steht für all den Schmerz, die Trauer und die Wut, welche Buraks Angehörige seit dem Mord begleiten. (mehr…)

Bugünkü eylemimiz ve anıt törenimiz hakkında birkaç söz söylemek istiyoruz:

8 Nisan 2018’de yapılan “Burak’ı Unutma- Hatırla ve Aydınlat” eyleminde ve “Burak ve benzeri vakalar için algoritma” heykelinin açılışında yapılmıştır

Burak Bektaş Cinayetinin Aydınlatılması İnisiyatifinin Konuşması:

Altı yıl önce, 5 Nisan 2012’de, arkadaşlarıyla birlikte Neukölln hastanesinin karşısındaki otobüs durağında duran Burak Bektaş öldürüldü. Tanımadıkları, yaşlıca bir adam gruba yaklaşıp silahını çekip, göçmen çocuklara birçok ateş ettiğinde, gençler tesadüfen yeni tanışmışlardı. Şahıs, sakin bir şekilde, tek söz etmeden olay yerini terk etti. Gençler ve cinayet arasında herhangi bir ilişki bulunamadı. NSU cinayetlerinden altı ay sonra vuku bulan bu cinayet, ünlü cinayetler serisini hatırlattı.

Burak Bektaş, o zamanlar 22 yaşındaydı ve bu saldırıda hayatını kaybetti. Diğer iki arkadaşıysa hayati tehlike taşıyan yaralar almışlardı.

Bugün, hepimiz, Burak Bektaş’ın ailesinin, arkadaşlarının, yasları, acıları, korkuları ve bu cinayetin unutulmaması ve aydınlatması için sürdürdükleri savaşlarında yalnız olmadıklarını göstermek için buradayız! Eylemimizin sonunda, Burak’ın anıt yerinde onun için yaptırdığımız anıtın açılışını yapacağız. Heykel, sanatçı Zeynep Delibalta tarafından tasarlandı ve adı „Burak ve benzeri vakaların algoritması“. Burak’ın annesi, Melek Bektaş, Burak’ın kamuya açık alanda hatırlanması ve cinayetin ve mevcut olmayan aydınlatmanın toplumun bilincinde yer edinmesi için gözden kaçırılmayacak bir anıt istemişti. Bu anıt, Burak’ın yakınlarının cinayetten bu yana taşıdığı yası, kızgınlığı, acıyı temsil ediyor. (mehr…)

Grußbotschaft der Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi, Hamburg

- gehalten bei der Demonstration „Burak unvergessen – Aufklären und Erinnern“ am 8. April 2018 in Berlin Neukölln-Süd:

Liebe Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş, liebe Angehörige von Burak und Teilnehmende der Kundgebung.

Wir möchten Euch an dieser Stelle viel Kraft und Power wünschen, Euren Kampf für ein Gedenken an den Menschen den Ihr verloren habt und ein Erinnern an die Umstände denen er zum Opfer gefallen ist weiterhin laut in die Öffentlichkeit zu tragen.

Es darf den Tätern nicht gelingen uns zum Schweigen zu bringen wie sie schon ihre Opfer zum Schweigen gebracht haben, und es darf der Öffentlichkeit nicht gelingen sich einem Erinnern zu entziehen.

Gedenkorte, Mahnorte, so wie der, den Ihr heute einweiht, sind wichtig.

Für uns, um uns zu erinnern, aber auch um als Stachel im ignoranten Schweigen der Mehrheit zu wirken, die nicht zur Kenntnis nehmen will, das Rassismus tötet, die das Privileg davon ja nicht betroffen zu sein voll ausspielt, und uns dazu zwingt laut und sichtbar zu werden, wo wir vielleicht einfach in Stille gedenken wollen würden.

Die Initiative in Gedenkan an Laye Condé, der am 7. Januar 2005, in Bremen mit Brechmitteln zu Tode gefoltert wurde, haben es auf den Punkt gebracht wenn sie die Frage stellen:

Eine Tat – ein Toter – keine Täter?

So wird es von den Behörden auch zu Oury Jalloh erzählt, so wird es zu Yaya Jabbi erzählt, zu Achidi John und nun auch zu Burak.

Und das ist es auch was die Mehrheit der Bevölkerung hören will.

Doch die Geschichte muß erzählt werden. Die Geschichte von Burak, davon welch ein Mensch er war und wieso er nicht mehr da ist.

Wir wären gerne selbst bei Eurer Kundgebung und würden etwas von Eurer Power tanken, Euch treffen und uns austauschen, wie das mit dem Gedenkort geht,

nachdem Unserer am Yaya Jabbi Circle vom Bezirksamt Hamburg Altona nach weniger als 48 Stunden wieder zerstört wurde.

Aber an diesem Wochenende sind wir in den Versuch eingebunden das Gedenken an die deutschen Kolonialverbrechen in Namibia ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren, und organisieren mit vielen Anderen eine Konferenz zum Erinnern des Genozid an Herero und Nama zwischen 1904 und 1908. Auch hier gilt es ein Erinnern zu erkämpfen, auch hier ringen Angehörige um eine Würdigung von Opfern und Verbrechen, und das nun schon seit mehr als hundert Jahren.

Wir, Ihr, werden nicht weitere Hundert Jahre warten bis den Opfern von Rassismus in diesem Land ein würdiges Erinnern zu teil wird. Und wenn es die Behörden, wenn es die Mehrheit nicht schafft diese Kraft aufzubringen, dann werden wir es selbst tun – gemeinsam.

Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi – 4.4.2018

Redebeitrag: 6 Jahre Ermittlungen – keinerlei Aufklärung

Gehalten am 8. April 2018 bei der Demonstration „Burak unvergessen – Aufklären und Gedenken“ und der anschließenden Einweihung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“

Redebeitrag der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş:

Was können wir zum Thema Aufklärung, zum Thema Ermittlungen sagen, sechs Jahre nach dem Mord an Burak Bektas? Von sich aus wenden Polizei und Staatsanwaltschaft sich nicht an die Öffentlichkeit. Immer wieder haben wir uns in den letzten Jahren gefragt: Wurden die Ermittlungen de facto eingestellt? Auch in der aktuellen Kleinen Anfrage der Linkspartei im Berliner Senat war das die Ausgangsfrage – die Antworten stehen noch aus.

Es gibt bis heute keine Ermittlungsergebnisse und die Polizei und Staatsanwaltschaft scheinen den Fall zu ignorieren. Sie wollen nicht daran erinnert werden und nicht darüber sprechen. Im Zusammenhang mit der aktuellen Nazi-Anschlagsserie in Neukölln kann sich die Leiterin der Rechtsextremismus-Abteilung des LKA Berlin nicht mal an einen rechten Mord in Neukölln erinnern. Sie sagen, sie haben aus den NSU-Morden gelernt. Wir sagen nein, das stimmt nicht!

Es gibt mehrere Konstanten in der Ermittlungsarbeit und der Öffentlichkeitsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft in den letzten 6 Jahren.

Tatsächlich gab es in der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei im Fall Burak einen Unterschied zum Umgang der Ermittlungsbehörden mit den NSU-Morden in den Jahren davor. Die Familie und Buraks Umfeld wurde in der öffentlichen Darstellung von Anfang an nicht als Verdächtige dargestellt. Die Opfer wurden nicht zum Täter gemacht, es gab keine rassistische Hetzkampagne mit Lügen und Spekulationen gegen die Angehörigen. (mehr…)

6 yıldır süren soruşturma halen açıklığa kavuşturulmadı

8 Nisan 2018’de yapılan “Burak’ı Unutma- Hatırla ve Aydınlat” eyleminde ve “Burak ve benzeri vakalar için algoritma” heykelinin açılışında yapılmıştır

Burak Bektaş Cinayetinin Aydınlatılması İnisiyatifinin Konuşması:

Burak Bektaş’ın cinayetinin altıncı yılında, aydınlatma, soruşturma konusunda ne söyleyebiliriz? Polis ve savcı, kendi isteğiyle basına çıkmıyor. Geçtiğimiz yıllarda sık sık şu soruyu sorduk kendimize: Soruşturma aslında kapatıldı mı? Berlin Senatosundaki sol partinin geçtiğimiz günlerde yaptığı kısa anketindeki temel sorusu da buydu, cevapları halen bekliyoruz.

Bugüne dek herhangi bir soruşturma bulgusu yok. Görünen o ki polis ve savcı davayı göz ardı ediyor. Hatırlamak ve bu konu hakkında konuşmak istemiyorlar. LKA Berlin Sağ aşırıcılık departmanının direktörü, Neukölln’deki güncel Nazi saldırı serilerini de ilgilendiren konuşmasında, Neukölln’de sağcı bir cinayet olduğunu hatırlamadığını ifade etti. NSU cinayetlerinden çok şey öğrendiklerini söylüyorlar. Biz, hayır, bu doğru değil diyoruz!

Son 6 yılda, emniyetin ve savcılığın soruşturmasında ve basın çalışmalarında birçok sabit etken var.

Polisin Burak ile ilgili basın çalışmalarında gerçekten de daha önce vuku bulan NSU cinayetlerinden farklı bir soruşturma süreci izlendi. Burak’ın ailesi ve yakın çevresi, basında başlangıçta şüpheliler olarak yansıtılmadı. Kurbanlara suçlu muamelesi yapılmadı. Yalanlar ve spekülasyonlarla Burak’ın yakınlarına karşı ırkçı bir nefret kampanyası yürütülmedi. (mehr…)

Audio vom 8. April 2018 – Enthüllung der Skulptur

Am 8. April 2016 fand zum 6. Jahrestag des Mordes an Burak Bektaş die Demonstration „Burak unvergessen – Aufklärung und Gedenken“ statt.
Hier ein Redebeitrag von Faruk Aslan, der die Enthüllung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähliche Fälle“ einleitete.

zum Herunterladen: archive.org (mp3 | ogg)

Audios vom 8. April „Burak unvergessen – Aufklärung und Gedenken“

Demonstration zum 6. Jahrestag der Ermordung von Burak Bektaş und Einweihung der Skulptur „Algoritmus für Burak und ähnliche Fälle“, Gedenkort Burak, Möwenweg Ecke Rudower Straße

Aufgenommen und gesendet von Radio Aktiv Berlin bei UKW 88.4 in Berlin mit Redebeiträgen und Grußworten (in Reihenfolge) – der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş / – der North-East-Antifa / – des Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992 / – Bündnis Tag der Solidarität aus Dortmund / – Initiative in Gedenken an Oury Jalloh / – NSU-Nebenklage / – RA Daimagüler

zum Herunterladen: archive.org (mp3 | ogg)

Redebeitrag von Ibrahim Aslan, Überlebender des rassistischen Mordanschlags 1992 in Mölln, der am Gedenkort Burak Bektaş diese Rede hielt, aufgenommen von der Initiative zum Gedenken an Ramazan Avci.

zum Herunterladen: archive.org (mp3 | ogg)

Fotos von der Gedenkdemo/Einweihung der Skulptur & von der Aufstellung der Skulptur

Fotos vom 8. April 2018 – Gedenkdemo zum 6. Jahrestag des Mordes an Burak Bektaşflickr.com/photos/paulhanewacker/albums/72157693642335091

Fotos vom 5. April 2018 – Jahrestag des Mordes an Burak Bektaş & Aufstelung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“
flickr.com/photos/paulhanewacker/albums/72157689664419740

Einige Momente aus Buraks viel zu kurzem Leben

Burak Bektaş wurde am 14. Februar 1990 im ehemaligen Kinderkrankenhaus am Mariendorfer Weg geboren. Er war das erste Kind von Ahmet und Melek. 2 Jahre später wird Buraks Bruder Fatih geboren, 2002 kommt dann Buraks kleine Schwester Melike dazu.

Die ersten 5 Jahre lebte Burak in der Weisestraße in Neukölln und ging in der Treptower Straße in die Kita. Er hatte eine glückliche Kindheit, er war immer gelassen, fröhlich, ein verantwortungsbewusster Junge mit einem sehr großen Herz. Die Familie zog dann ans Kiehlufer und Burak wechselte mit sechs Jahren, also im Jahr 1996, von der Kita in die Hans-Fallada-Grundschule in der Harzer Straße.

Von der 7. bis zur 10. Klasse ging er in die Heinrich-Heine-Schule, eine Realschule, in der Rütlistraße. Er war ein sehr beliebter Junge unter seinen Freunden, mit denen er schon im Sandkasten zusammen gespielt hatte. Er war ein fröhlicher Mensch und spielte viel mit seinen Geschwistern. Er liebte es, seine Schwester mit dem Kinderwagen zu schieben.

Im Jahr 2009, zog er mit seinen Eltern und seinen beiden jüngeren Geschwistern vom Kiehlufer nach Süd-Neukölln in die Nähe des Krankenhauses an der Rudower Straße, also hier um die Ecke.

Nach der 10. Klasse arbeitete er u.a. als Pizza-Kurier, machte ein Praktikum bei Fiat und begann dann 2010 eine Lehre als Automobilkaufmann. Burak besuchte die Berufsschule in Mitte am Spittelmarkt und fuhr zur Arbeit nach Reinickendorf. Seine Lebensperspektive und sein Ziel war irgendwann mal seine eigene Kreation von Autos zu bauen. Er wollte ein fleißiger Student und Techniker werden. Er hatte einen Nissan-Kleinwagen und war ein sehr lebensfroher Mensch. Er war viel unterwegs, hin und her, Arbeit, Sport und zwischendurch „Mama, soll ich was einkaufen? Soll ich was mitbringen?“ Action, immer. Manchmal fuhr er mit seiner Schwester und ihren Freundinnen in das 3D-Kino am Potsdamer Platz. Oder er traf sich mit seinen Freunden. Die waren ihm immer sehr wichtig. Sie haben immer zusammengehalten. Langjährige Freundschaften. Ausgehen, Spaß haben. Er war immer offen und hilfsbereit. Fitness und Kampfsport waren seine Hobbies. er ging schon seit einiger Zeit mehrmals die Woche zum Wing Tsun – Kampfsport.

Auch am Abend des 5. April war er noch beim Training ehe er sich mit seinen Freunden traf… Und ein Unbekannter plötzlich sein Leben beendete.