Archiv für November 2019

Biz her zaman orada olacağız – Wir werden immer da sein

(übernommen von Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992)

27. Jahrestag des Gedenkens an die rassistischen Brandanschläge von Mölln – Mölln´deki ı kundaklamayı anmanı 27. yı lı

Offenes Gedenken an Bahide und Yeliz Arslan und Ayşe Yilmaz vor dem Bahide-Arslan-Haus

Samstag, 23. November 2019

15 – 18 Uhr

Bahide Arslan Evi önünde herkese açık Bahide ve Yeliz Arslan ile Ayşe Yılmaz’ı anma.

23. Kasim 2019, Cumartesi günü

Saat 1 – 18 arasi

Mühlenstraße 9, Mölln

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Pressemitteilung des Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992 vom 13. November 2019 Vor “Möllner Rede im Exil”: Morddrohungen gegen Kabarettistin İdil Baydar

Redebeitrag zum NSU-Tribunal am 2.11.2019 in Chemnitz

nsu-tribunal chemnitz
Botschaft von Melek Bektaş, der Mutter des in Berlin ermordeten Burak Bektaş:
„Melek Bektaş erinnert an Rita Holland mit einer Schweigeminute, die starb, weil sie den Tod ihres Sohnes nicht länger ertragen konnte.“

„Sie werden unsere Stimmen hörbar machen, das ist unsere Hoffnung.“, so Melek Bektaş auf dem Tribunal im Mai 2017 in Köln. Sie kann heute leider nicht hier sein und sendet ihre herzlichen Wünsche für ein gutes Gelingen des Tribunals. Vielen Dank an die VeranstalterI*nnen, dass Vertreterinnen der Initiative für die Aufklärung heute hier sprechen können. Wir sind hier, weil wir für die Aufklärung eines Mordes kämpfen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit ein rassistischer, rechter Mord ist.

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Redebeitrag der Burak-Ini:

Burak Bektaş wurde am 05.04.2012 nicht weit von seinem Zuhause auf offener Straße in Berlin-Neukölln von einem weißen Mann ermordet. Burak war damals 22 Jahre alt. Der Täter hat in die Gruppe Jugendlicher geschossen. Buraks Begleiter Jamal (damals 17 Jahre) und Alex (damals 16 Jahre alt) überlebten den Anschlag mit lebensgefährlichen Verletzungen. Der Mörder wurde nie gefasst.

Die Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş gründete sich bald nach der Tat. Die Vermutung, dass es sich um eine Nachahmungstat nach dem Muster der NSU-Morde handelt, lag ein halbes Jahr nach der Selbstenttarnung des NSU nahe. Eine Konsequenz aus den Erfahrungen zum Umgang mit Betroffenen Familien und Überlebenden der NSU- Morde musste sein, zu garantieren, dass die Familie Bektaş nach dem Mord nicht alleine sein wird. Das war unsere Konsequenz aus der Untätigkeit der Ermittlungsbehörden und der Ignoranz gegenüber den Morden des NSU. In der Initiative arbeiten Angehörige, Freund*innen und andere Aktive zusammen.

Am 20. September 2015 wurde der britische Staatsbürger Luke Holland ebenfalls in Berlin-Neukölln erschossen. Im Zuge der Wohnungsdurchsuchung bei dem mutmaßlichen Täter Rolf Zielezinski. wurde nicht nur ein Kilo Schwarzpulver gefunden, sondern auch Waffen und Bilder von Hitler und anderen NS-Funktionären.

Der Mörder von Luke Holland wurde verurteilt. Allerdings konnte der Richter kein Motiv erkennen.
Obwohl es im Zuge der Ermittlungen im Fall Burak Bektaş bereits einen Hinweis auf Rolf Z. als möglichen Tatverdächtigen gegeben hatte wurde dem nicht sorgfältig nachgegangen.
Die Initiative und viele FreundInnen haben den Prozess beobachtet, weil es den Verdacht gibt, dass Zielezinski auch der Mörder von Burak ist. Der Ablauf der Tat ist ähnlich, das Alter kann auch stimmen, es gab den Hinweis, dass Zielezinski in der Nähe des Tatortes einen Bruder hatte, mit dem er rumballerte.

Die Familie Bektaş stellt sich die Frage, was die Ermittlungsbehörden unternommen haben, den Verdacht auszuräumen. Wie können sie behaupten, dass es keinen Hinweis auf Zielezinski gibt, wenn sie es nicht untersucht haben, so fragt die Familie Bektaş.

Dieser Rolf Zielezinski ist in jedem Fall auch verantwortlich für den Tod von Rita Holland, die den Schmerz über den Tod ihres einzigen Kindes Luke nicht mehr aushalten konnte. Sie ist am 21.10., aus dem Leben gegangen.

Wir wollen ihr mit einer Schweigeminute gedenken.

Danke!

Die Initiative fordert eine unabhängige Kommission, die den Mord an Burak untersucht aber eben auch die vielen anderen rechten Taten in Neukölln, wie die Brandstiftungen auf ein Jugendzentrum auf die Autos von Personen, die sich gegen rechts positionieren, die Anschläge auf die Wohnungen von linken AktivistInnen, die Buchläden und so weiter. Die Behauptung, dass Ermittlungsbehörden und politisch Verantwortliche aus den Ermittlungen zum NSU gelernt hätten, ist widerlegt durch deren Handeln. Es gibt bei den Ermittlungsbehörden keine Konsequenzen aus dem NSU.

Es braucht investigative JournalistInnen, ZeugInnen, die sich doch noch melden, Täter oder Mitwisser, die sich offenbaren, die Tatwaffe oder ihre Munition kann auftauchen usw..Wir werden ZeugInnen unterstützen, die sich äußern wollen, Hinweisen nachgehen, die uns mitgeteilt werden und all dies immer wieder öffentlich machen. Hier aufmerksam zu sein, sich zu vernetzen und das öffentliche Interesse an einer Aufklärung sichtbar zu machen, ist unsere Arbeit. Nur wenn wir sichtbar und ansprechbar sind, können wir erreichen, dass irgendwer, irgendwann das Gespräch suchen kann.

Das Tribunal kämpft für die Aufklärung des NSU_Komplex. Wir kämpfen für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektas. Euer Kampf ist unser Kampf und umgekehrt. In Kassel wurde der Regierungspräsident Lübke ermordet. In Halle sind zwei Menschen ermordet worden und Jüdinnen und Juden sind einem Massenmord knapp entgangen. Wir sehen, dass die Nazis heute noch stärker und brutaler auftreten, bis an die Zähne bewaffnet sind und noch fester und tiefer im Staat verankert sind.
Deswegen müssen wir unseren Kampf noch stärker vernetzen und noch energischer gegen rechte Gewalt, gegen Rassismus und heute noch mehr als gestern gegen Antisemitismus kämpfen.
Solidarität ist unsere stärkste Waffe!