Archiv für Dezember 2019

Pressemitteilung – Berliner Kurier zur Unterlassung und Richtigstellung aufgefordert

Die Anwälte der Familie Bektaş haben den Berliner Kurier aufgefordert, die Behauptung Burak sei in eine Straftat verwickelt gewesen zu unterlassen. Der Kurier wird ebenfalls aufgefordert, die falsche Behauptung vom 8.4.2019 richtig zu stellen.

Der Kurier bezieht sich auf inoffizielle Kreise der Berliner Polizei. Die Initiative geht davon aus, dass innerhalb des Polizeiapparates Personen gezielt diese falsche Behauptung in Umlauf gesetzt haben. Die Initiative fragt, mit welcher Motivation und auf welcher berufsethischen Grundlage der langjährige Polizeireporter Philippe Debionne (PDE) diese frei erfundene Falschinformation ohne jeden Faktencheck in Umlauf bringt? Aus welchem Grund bewirft er einen toten jungen Mann – das Opfer eines Verbrechens – mit Dreck und verursacht zusätzlichen Schmerz für die hinterbliebene Familie Bektas?

Innensenator Geisel hat gegenüber der Familie bestätigt, dass die Behauptung des Kuriers jeder Grundlage entbehrt. Außerdem teilte er der Familie mit, dass diesbezüglich bei der Polizei eine strafrechtliche Prüfung eingeleitet sei.

„Sollte der presserechtlich verantwortliche DuMont-Verlag die falschen Behauptungen nicht richtig stellen, werden wir klagen. Das Ansehen, das Andenken und die Ehre unseres Sohnes wurde mit dieser Berichterstattung vom 8. April 2019 schwer verletzt. Wer so etwas schreibt muss es auch beweisen und den Namen des Informanten preis geben. Es ist sehr leicht, Menschen zu beschuldigen und irgendwelche aus der Phantasie entstandenen Behauptungen zu verbreiten aber es ist sehr schwer, genau diese
Behauptungen aus der Welt zu schaffen. Die nächsten Tage werden uns zeigen, ob es eine JournalistInnenehre gibt“, so Melek Bektaş, die Mutter des ermordeten Burak Bektaş.

Der Kurier hat nun zwei Wochen Zeit, eine Richtigstellung zu veröffentlichen.

21.12. – 14 Uhr Hermannplatz, Berlin : Soli-Demo gegen Nazi-Anschläge in Neukölln

(übernommen von https://www.buendnis-neukoelln.de/)

Stehen wir gemeinsam auf gegen Rassismus, rechte Hetze und Gewalt! Für ein solidarisches und respektvolles Miteinander!

Erneut wurden in den vergangenen Wochen in Neukölln Menschen mit Einwanderungsgeschichte zur Zielscheibe extrem rechter Angriffe: Bei einer Konditorei in der Sonnenallee haben Neonazis Scheiben eingeworfen und Hakenkreuz-Markierungen hinterlassen. In der Wildenbruchstraße wurden trotz der nahegelegenen Polizeiwache ein Burger-Imbiss, ein Späti sowie zwei Cafés mit Hakenkreuzen und SS-Runen markiert. Zeitgleich wurden bei in der Nähe parkenden Pkws die Reifen zerstochen.

Betroffene der jüngsten Welle rechter Übergriffe berichten von zunehmenden rassistischen Anfeindungen. Zudem sehen sich viele durch die reißerische Berichterstattung über eine angebliche „arabische Clankriminalität“ unter Generalverdacht. Neonazis und Rassist*innen fühlen sich davon offenbar ermutigt. Das lassen wir nicht zu!

Unsere Solidarität gilt unseren Nachbar*innen und allen Betroffenen von rechter Hetze und Gewalt. Wir fordern erneut, endlich die Mittel zur Verfügung zu stellen, rechte Gewalt in Neukölln aufzuklären!

Die Angehörigen – Donnerstag, 12.12.2019 – 20:00 im bi’bak

Prinzenallee 59 – Berlin-Wedding

Buchpräsentation – Im Anschluss Gespräch mit Ibrahim Arslan, Jasper Kettner und Heike Kleffner

(übernommen von bi-bak)

Seit 1990 sind in Deutschland laut Bundesregierung 83 Menschen durch rechte Gewalt ums Leben gekommen. Für den selben Zeitraum dokumentieren Journalisten von Zeit Online und Tagesspiegel 169 Todesfälle und 61 Verdachtsfälle, während die Amadeu Antonio Stiftung 194 Todesopfer und 12 Verdachtsfälle nennt. Für die Todesopfer rechter Gewalt aus der Zeit vor 1990 gibt es keine Statistik.

In Fotografien und Texten widmet sich die Publikation den Angehörigen der Todesopfer von Rassismus und rechter Gewalt. Sie thematisiert die Trauer der Hinterbliebenen aber auch deren Kampf um Wiedererlangung der eigenen Würde nach falschen Verdächtigungen sowie um Anerkennung der Toten als Opfer politisch motivierter Gewalt.

Die Präsentation beginnt mit einer Lesung einzelner Texte von Angehörigen, die für die Publikation entstanden sind. Nach dem Gespräch gibt es Essen von Lars Exit.

Ibrahim Arslan ist Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Aktivist und mitwirkende Person beim Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Botschafter für Demokratie und Toleranz.

Jasper Kettner lebt als freier Fotograf in Berlin.

Heike Kleffner ist Journalistin und Geschäftsführerin des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG e.V.).

Samstag 7.12. Burak-Stand beim Weihnachtsmarkt auf dem Richardplatz 8 in Berlin-Neukölln

Zum Weihnachtsmarkt am Richardplatz sind wir am Samstag, den 7. Dezember mit unserem Stand dabei. Wir freuen uns euch dort zu treffen.

Stand der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş
Samstag, den 7. Dezember 2019 // 14 bis 20 Uhr
Richardplatz 8 // Berlin-Neukölln

Neben aktuellen Infos zum Gedenkort Burak Bektaş und Austausch könnt ihr auch Merçimek Çorbası (Linsensuppe), gebrannte Mandeln, Kuchen, Çay und mehr erwerben .. bis Samstag

23.11.2019 – Grußbotschaft In Gedenken an Yeliz Arslan, Bahide Arslan und Ayşe Yılmaz,

den Opfern des rassistischen Brandanschlags in Mölln am 23.11.1992:

Liebe Familie Arslan, Liebe Familie Yılmaz,
Liebe Freundinnen und Freunde,

wir gedenken mit euch Yeliz und Bahide Arslan und Ayşe Yılmaz, die vor 27 Jahren bei dem rassistischen Brandanschlag in Mölln ermordet wurden. Dem gingen rassistische Hetze und Morde von der extremen Rechten voraus.

Das Gedenken zum 27.Jahrestag war überschattet von der Morddrohung gegen die Rednerin der „Möllner Rede im Exil“ Idil Baydar. Diese Drohung ist ein Angriff an unser Gedenken an Yeliz, Bahide und Ayşe, eure Lieben.

Wir wissen um der Kontinuität rassistischer Morde. Als Initiative arbeiten wir für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş, Burak wurde ermordet am 05.04.2012, nun seit über 7 Jahren. Burak wurde kurze Zeit nach der Selbstenttarnung des NSU, dem Bekanntwerden der Morde des NSU-Komplexes an 9 Migranten, ermordet. Der Tathergang gleicht einer Hinrichtung. Burak starb an seinen Verletzungen, zwei seiner Freunde überlebten schwer verletzt.

Wir sind sicher eurer Solidarität mit anderen Angehörigen von Opfern und Betroffenen und Initiativen. Ihr die Familie Arslan und Familie Yılmaz, seid uns Vorbild und Beweis dafür, dass nur selbstorganisiertes Gedenken einem Gedenken, einem würdigen Gedenken, gerecht wird. Wir haben genug von Gedenkveranstaltungen, die Städte und Gemeinden etc. freisprechen sollen von Verantwortung.

Das Leid ist groß, auch lange Jahre danach, die Folgen für die Familienangehörigen von Opfern rassistischer Gewalt unvorstellbar. Wir haben dies auch erfahren über Rita Holland. Ihr Sohn Luke Holland wurde am 20.September 2015 ermordet von einem Nazi in Berlin-Neukölln. Rita Holland hat den Schmerz des Verlusts ihres Sohnes nicht mehr ertragen. Sie wollte zu ihrem Sohn Luke und ist aus dem Leben gegangen. Der Mörder von Luke Holland tauchte auch in der Akte von Burak Bektaş auf. Die Eltern Rita und Phil Holland haben immer gesagt: „Wenn im Mordfall Burak Bektaş ernsthaft ermittelt worden wäre, wäre Luke noch am Leben.“

Wir setzen uns ein für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş und eure Kraft und euer Mut liebe Familie Arslan und liebe Familie Yılmaz ist uns ein Ansporn.

Berlin, 23.11.2019