Am Donnerstag, dem 14. Februar 2013, wäre Burak B. 23 Jahre alt geworden:
Initiativen kritisieren massiv das Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaft und fordern Aufklärung über den Stand der Ermittlungen im Mordfall Burak B.

Burak B. wurde in der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012 um 1 Uhr morgens erschossen, Alex A. (16) und Jamal A. (17) vom selben Täter lebensgefährlich verletzt. Der nach wie vor unbekannte Täter näherte sich der Gruppe Jugendlicher, die an einer Bushaltestelle gegenüber dem Krankenhaus Neukölln saßen. Der Täter gab aus einer Handfeuerwaffe gezielte Schüsse auf die Gruppe ab. Die Überlebenden beschrieben den Täter als ca. 1,80 Meter groß, weiß, mit einem Kapuzenpullover bekleidet und 40-60 Jahre alt.

Seit der Mordnacht sind 10 Monate vergangen. Über die Ermittlungen der Polizei hat die Öffentlichkeit seitdem nur erfahren, dass sie sich bereits zu Beginn öffentlich für ihre Informationspolitik entschuldigen musste, da die Familie erst nach eigenen Bemühungen vom Tod Buraks erfahren hatte. Diese katastrophale Informationspolitik hält bis heute an. Es wird zwar bekanntgegeben, dass Hinweise bei der ermittelnden Polizei eingegangen seien, mehr allerdings auch nicht, außer dass „in alle Richtungen“ ermittelt werde. Das Vertrauen in die staatlichen Organe, diesen brutalen Mord aufklären zu wollen, schwindet immer mehr. Der Mord jährt sich in wenigen Wochen das erste Mal.

Die Öffentlichkeit – und vor allem die Angehörigen – haben ein Recht darauf, zu erfahren, was die Polizei und Staatsanwaltschaft in der bisherigen Zeit unternommen haben, um den Mord an Burak B. und die versuchten Morde der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012 aufzuklären.

Wir wissen, dass genau 20 Jahre vor dem Mord an Burak B. der Nazifunktionär Gerhard Kaindl in Berlin-Neukölln bei einer Auseinandersetzung mit migrantischen Antifaschist*innen gestorben ist und seitdem in der Neonazi-Szene als Märtyrer gilt. Wir wissen, dass Anfang 2012 bundesweit in der Nazipresse darüber berichtet und zu Racheaktionen aufgerufen wurde. Wir wissen, dass es im Süden Neuköllns immer wieder zu Angriffen von Neonazis kommt. Die Brandanschläge auf das Anton-Schmaus-Haus der Falken sowie die Angriffe auf eine Familie in der Hufeisensiedlung, die es abgelehnt hatte, Propagandamaterial der NPD anzunehmen, bestätigen, dass die Nazis nicht nur verbale Auseinandersetzungen wollen, sondern immer wieder auch gewalttätig werden. Wir wissen, dass Burak und seine Freunde nicht nur in der Mordnacht rassistischen Beschimpfungen ausgesetzt waren. Wir wissen, dass am Abend der Mordnacht eine antifaschistische Informationsveranstaltung zu Nazi-Aktivitäten im Süden Neuköllns stattgefunden hat und bekannte gewaltbereite Neonazis in der Gegend unterwegs waren. Sehen die Ermittlungsbehörden hier einen Zusammenhang – oder ermitteln sie immer noch „in alle Richtungen“?

Das bleierne Schweigen, das Polizei und Staatsanwaltschaft seit Monaten über den Tod von Burak B. legen, ist nicht hinnehmbar!

Im Fall des Mordes an Burak B. und den Mordversuchen an Alex A. und Jamal A. könnte die rassistische NSU-Mordserie als Vorbild gedient haben. Welche Lehren haben die Behörden aus ihrem Versagen bei den Ermittlungen gegen den NSU gezogen?

Wir fordern, einen möglichen rassistischen Hintergrund dieses Mordes zu untersuchen.
Wir fordern den Innensenator auf, für eine rückhaltlose Aufklärung dieses Mordes zu sorgen.
Wir fordern eine sensibilisierte Gesellschaft, die rassistische Morde nicht mehr schweigend hinnimmt.

13.02.2013, Berlin-Neukölln
Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B.

Allmende e.V. – Haus alternativer Migrationspolitik und Kultur
Antirassistische Initiative Berlin (ARI)
Bündnis gegen Rassismus
ReachOut – Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus
und andere Gruppen und Einzelpersonen.