Muzaffer Türkoglu, Opfer des rassistischen Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße im Juni 2004 ist am vergangenen Sonntag gestorben und wurde heute vor der Neuköllner Sehitlik Moschee betrauert. Als „Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak“ sprechen wir seiner Familie und den Angehörigen unser Beileid aus.

Muzaffer war Berliner, zum Zeitpunkt des Bombenanschlags nur zu Besuch in Köln – er wollte seinem in der Türkei lebenden Bruder die Stadt zeigen.

Wie so viele andere wurde er vom Opfer zum Verdächtigen. Die Ermittlungen der Polizei gegen ihn setzten sofort nach dem Anschlag ein und zogen sich über Jahre bis zur Aufdeckung des NSU Ende 2011. Dieser „Anschlag nach dem Anschlag“ setzte Muzaffers psychisch und physisch stark zu.

Als am 20. Januar 2015 im NSU Prozess in München die Zeugenaussagen der Opfer aus der Keupstr. begannen, begleiteten Mitglieder unserer Initiative und andere Antirassist_innen Muzaffer im Reisebus nach München. Trotz Krankheit und hohen Alters war Muzaffer entschlossen den Angeklagten vor Gericht entgegenzutreten und auszusagen. Unermütlich stand er den ganzen Tag mit uns in der Kälte, gab Fernsehinterviews und demonstrierte vor dem Gericht für eine Aufklärung des NSU-Komplexes. Ein Schwächeanfall hinderte ihn am nächsten Tag an der Aussage.

Muzaffer ist gestorben ohne die Genugtuung, dass die rassistischen Täter des Keupstraßenanschlags verurteilt worden wären. Ohnehin waren seine Erwartungen vor allem anderen direkt an den Staat gerichtet. Vergeblich erwartete er, dass Mitglieder der Regierung die Verantwortung für die Beteiligung der Institutionen am NSU-Komplex übernehmen würden und sich dafür bei den Opfern entschuldigten.

Im Gedenken an Muzaffer Türkoglu und all den anderen Opfern des NSU fordern wir eine rückhaltlose Aufdeckung des NSU-Komplex – vor allem auch der staatlichen Verstrickung darin.

Muzaffer lebt weiter in unseren Erinnerungen und Kämpfen.