in Gedenken an Süleyman Tasköprü am 25.06.2016 in Hamburg

Grußbotschaft der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektas:

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der heutigen Veranstaltung im Gedenken an Süleyman Taşköprü,

der Schmerz, den die Ermordung von Süleyman Taşköprü für diejenigen Menschen bedeutet, die ihn schätzen und lieben, ist nicht in Worte zu fassen. Unser tiefstes Mitgefühl gilt heute der Familie, sowie allen Menschen, die Süleyman geliebt haben.

Doch heute ist nicht nur ein Tag der Trauer, sondern auch der Tag, um daran zu erinnern, was noch geschehen ist: Ermittler ermittelten nach dem Leitmotiv, eine Verstrickung Taşköprüs in eine so genannte „organisierte Kriminalität“ nachzuweisen, Medien hinterfragten diese Vorgehensweise in keinster Weise und fassten ihre Berichterstattung unter dem abwertenden Schlagwort „Döner-Morde“ zusammen.

Süleyman Taşköprü ist wie so viele Andere Opfer einer schrecklichen rassistischen Gewalttat geworden, doch in der öffentlichen Wahrnehmung waren er, seine Familie und sein engstes Umfeld bis zum Bekanntwerden der NSU-Mordserie Zielscheibe haltloser Unterstellungen. Der tief verwurzelte strukturelle Rassismus in Deutschland ist der Grund dafür, dass die Frage, ob Süleyman nicht auch einfach ein so genanntes „unschuldiges Opfer“ hätte gewesen sein könnte, in der Öffentlichkeit nicht gestellt wurde.
Die unhaltbaren Verdächtigungen, die erfahrene Ächtung und die lange Zeit fehlende öffentliche Anteilnahme haben die Menschen, die Süleyman Taşköprü nahestanden, tief getroffen. Wir wissen, dass dies nicht nur bei der Ermordung von Süleyman Taşköprü der Fall war, sondern vielen Opfer und Hinterbliebenen rassistischer Gewalttaten widerfährt. Wir alle wissen auch, dass in Deutschland weiterhin rassistische Gewalttaten begangen werden, die aufgeklärt und verfolgt werden müssen. Die Ungewissheit über die Täter*innen, die falschen Anschuldigungen und die fehlende Anteilnahme sind für Hinterbliebene kaum zu ertragen.

Beim heutigen Gedenken geht es deshalb nicht nur darum, ein Zeichen zu setzen, damit die Ermordung von Süleyman Taşköprü aus rassistischen Motiven nicht in Vergessenheit gerät. Es geht auch darum, ein Zeichen zu setzen, um an schlimme und folgenreiche Fehler im Umgang mit rassistischen Gewalttaten zu erinnern. Und vor allem geht es nach wie vor darum, Aufklärung zu fordern. Wir stellen die gleichen Fragen, die auch schon Süleymans Schwester Aysen in ihrem Brief an den Bundespräsidenten formuliert hat: „Wer sind die Leute hinter dem NSU? Was hatte der deutsche Staat damit zu tun? Wer hat die Akten vernichtet und warum?“

Es gibt eine Forderung, die alle Initiativen, die gegen rassistische Gewalt kämpfen, vereint: Rassistische Gewalttaten und Morde müssen lückenlos aufgeklärt werden. Die Verstrickung staatlicher Stellen in solche Vorgänge muss dabei besondere Berücksichtigung erfahren. Wir fordern lückenlose Aufklärung, Rehabilitation und Entschädigung für Opfer und Hinterbliebene.

Die bundesweite Solidarität von Angehörigen und Betroffenen von Nazi-Morden und Initiativen, die mit Betroffenen zusammenarbeiten, ist wichtig und verleiht unseren gemeinsamen Kämpfen eine besondere Kraft. Aysen hat zurecht gefragt: „die Menschen, die sich jetzt mit einem Bild von meinem Bruder zeigen (…): wo wart ihr 2001?“ Auch wir waren 2001 nicht in Hamburg, um gemeinsam mit der Familie trauern und um für Aufklärung zu kämpfen. Aber wir sind in Gedanken heute mit euch in Hamburg und wir kämpfen in Berlin gemeinsam mit der Familie Bektaş für die Aufklärung des Mordes an Burak. Das wir dies tun, ist auch ein Verdienst der Angehörigen aller Hinterbliebenen derjenigen, die durch den NSU ermordet wurden und seitdem in der deutschen Öffentlichkeit Aufklärung und Gerechtigkeit fordern. Das, was die Familien Taşköprü, Yozgat, Şimşek und viele andere mehr geleistet haben, um sich dem Vergessen und Vertuschen rassistisch motivierter Gewalt in Deutschland entgegenzustellen, verdient unser aller tiefste Anerkennung. Es sind Kämpfe, die sehr schmerzhaft zu führen sind. Es ist traurig, aber wir alle wissen: Diese Kämpfe müssen nach wie vor weitergeführt werden.

Aus Berlin senden wir unser tiefes Mitgefühl an alle, die Süleyman geliebt haben und unseren Dank an alle, die sich weiterhin für eine Aufklärung dieses Mordes einsetzen.

Initiative für die für Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş, 25.6.2016

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