Redebeitrag bei der Dieter Eich Demonstration in Berlin-Buch am 23.05.2015

Liebe Initiative in Gedenken an Dieser Eich,

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir senden euch unsere solidarischen Grüsse und sind heute, am Gedenktag für Dieter Eich, der im Mai 2000 von Nazis in Berlin-Buch ermordet wurde, mit euch. Dieter Eich ist nicht vergessen Dank eurer Initiative!

Rechten Morden und rechter Gewalt müssen klare Zeichen entgegen gesetzt werden! Deswegen fordert ihr Konsequenzen gegen Sozialchauvinismus und Nazi-Morde und mit Nachdruck eine Gedenktafel für Dieter Eich. Wir unterstützen eure Forderungen. Eine Konsequenz, die wir als Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş im Kampf um das Erinnern und Gedenken an die Mordopfer von nazistischer und rassistischer Gewalt mit anderen teilen ist: Erreichen tun wir etwas nur durch Druck seitens der Initiativen und Gruppen, die sich mit den Angehörigen und Betroffenen solidarisieren und sich gegen das Vergessen organisieren.

Ein Weg ist die verstärkte Vernetzung von Angehörigen und Betroffenen und Initiativen. Wir Erinnern und Gedenken. Wir fordern Genugtuung, Aufklärung und Konsequenzen.

Wir erinnern und Gedenken in Berlin Ufuk Şahin (12.05.89), Mahmud Azhar (6.3.1990), Mete Ekşi (13.11.1991), Nguyễn Văn Tú (24.4.1992), Günter Schwannecke (29.8.1992) Silvio Meier (21.11.1992), Beate Fischer (23.7.1994); Kurt Schneider, (6.10.1999) Dieter Eich (24.5.2000), Ingo Binsch (5.11.2001) Burak Bektaş (5.4.2012), Luke Holland (20.9.2015).

Und wir Erinnern und Gedenken dem 25. Jahrestag des Brandanschlags in Solingen vom 29.5.1993, wo 4 junge Frauen und Kinder ermordet wurden. Wir Gedenken den Ermordeten des NSU-Terrors. Und wir Erinnern und Gedenken Oury Jalloh (7.1.2005), Marwa el-Sherbini (1.7.2009), Jaja Jabbi (14.1.2016), Yangjie Li (11.5.2016).

All diese und all die anderen Morde wie in Hamburg 1985, Mölln 1992 oder Lübeck 1996 sind nazistisch und rassistisch motiviert.

Und all diesen Morden folgten systematisches, strukturelles und institutionelles Versagen durch Vertuschung, Verdunklung, Verharmlosung.

Der Ignoranz begegnen wir mit unsere Solidarität mit den Angehörigen und Betroffenen. Und wir sagen:

Niemand wird vergessen!

Eure Initiative Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş

Im Gedenken an Dieter Eich / NEA zu Dieter Eich

Nach staatlicher Anerkennung als Opfer rechter Gewalt: Bündnis fordert Gedenktafel für Dieter Eich in Berlin-Buch

– Gedenkdemo am 23. Mai

Vor wenigen Tagen wurde der im Jahr 2000 in Berlin-Buch von Neonazis ermordete Dieter Eich von der Polizei offiziell als Opfer
rechtsmotivierter Gewalt anerkannt. Das Bündnis “Niemand ist vergessen” fordert nun mit einer Gedenkdemonstration zu seinem Todestag am 23. Mai eine Gedenktafel für Dieter Eich an dem Haus, in dem er gelebt hatte.
Der 60-Jährige wurde in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2000 von vier Neonazis, die in seinem Hausaufgang eine Feier veranstalteten, erst verprügelt und später erstochen. Als Motiv gaben die Täter an, sie hätten während ihrer Party beschlossen, “einen Assi klatschen” zu wollen. Dafür suchten sie sich Dieter Eich als Opfer aus, der Sozialhilfeempfänger und alkoholkrank war.

Martin Stein, Sprecher des Bündnisses “Niemand ist vergessen”:

Mit unserer Demonstration wollen wir die Erinnerung an Dieter Eich wachhalten. Wir wollen aber auch daran erinnern, dass er aufgrund der rechten Ideologie seiner Mörder sterben musste. Die Täter missachteten den 60-Jährigen als ‚unwertes Leben‘, weil sie in ihm einen ‚Assi‘ sahen. Dieter Eich ist leider nicht das einzige Opfer dieses Weltbildes, seit dem Mauerfall sind mindestens 26 Morde an Wohnungslosen in Deutschland nachweislich durch Neonazis verübt worden. Wir wollen auch darauf aufmerksam machen, dass Menschen nicht nur von Neonazis, sondern auch von der Mitte der Gesellschaft oft allein anhand ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bewertet werden. Das zeigt sich immer wieder bei der Diskussion um die Höhe von Hartz IV-Sätzen oder in der Debatte um Migration und sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge. Im Extremfall kostet diese Ideologie der Ungleichwertigkeit wie im Falle Dieter Eichs Menschenleben.”

Die Einordnung des Mordes in Berlin-Buch als rechte Tat sieht die Initiative “Niemand ist vergessen” auch als ihren Verdienst. Seit dem Mord an Dieter Eich gab es bis ins Jahr 2003 Gedenkdemos. 2007 griffen lokale AntifaschistInnen das Gedenken wieder auf. Seit 2010 arbeitet das die Initiative “Niemand ist vergessen” zu dem Mord.

Zur staatliche Anerkennung Dieter Eichs als Opfer rechter Gewalt ergänzt Martin Stein:

Dieter Eich wurde 18 Jahre nach seinem Tod als Opfer rechter Gewalt anerkannt. Leider waren dafür erst die Mordserie des NSU und Druck von außen notwendig. In Berlin sind weiterhin andere Morde nicht aufgearbeitet: Wir fordern, dass bis zu einer entsprechenden Auseinandersetzung mit den tödlichen Schüssen auf Burak Bektaş und Luke Holland nicht wieder 18 Jahre vergehen.

“Niemand ist vergessen” ist ein Zusammenschluss antifaschistischer und linker Gruppen, deren diesjähriger Demonstrationsaufruf u.a. von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Berlin, der Freien Arbeiter*innen Union Berlin (FAU), der Berliner Obdachlosenhilfe e.V. und der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş unterstützt wird.

Die Gedenkdemonstration beginnt am 23. Mai um 17.00 Uhr am S-Bahnhof Berlin-Buch und führt in die Walter-Friedrich-Straße 52, in der Dieter Eich gelebt hatte und wo er ermordet wurde. Die OrganistatorInnen erwarten 150 TeilnehmerInnen.