Grußbotschaft der Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi, Hamburg

- gehalten bei der Demonstration „Burak unvergessen – Aufklären und Erinnern“ am 8. April 2018 in Berlin Neukölln-Süd:

Liebe Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş, liebe Angehörige von Burak und Teilnehmende der Kundgebung.

Wir möchten Euch an dieser Stelle viel Kraft und Power wünschen, Euren Kampf für ein Gedenken an den Menschen den Ihr verloren habt und ein Erinnern an die Umstände denen er zum Opfer gefallen ist weiterhin laut in die Öffentlichkeit zu tragen.

Es darf den Tätern nicht gelingen uns zum Schweigen zu bringen wie sie schon ihre Opfer zum Schweigen gebracht haben, und es darf der Öffentlichkeit nicht gelingen sich einem Erinnern zu entziehen.

Gedenkorte, Mahnorte, so wie der, den Ihr heute einweiht, sind wichtig.

Für uns, um uns zu erinnern, aber auch um als Stachel im ignoranten Schweigen der Mehrheit zu wirken, die nicht zur Kenntnis nehmen will, das Rassismus tötet, die das Privileg davon ja nicht betroffen zu sein voll ausspielt, und uns dazu zwingt laut und sichtbar zu werden, wo wir vielleicht einfach in Stille gedenken wollen würden.

Die Initiative in Gedenkan an Laye Condé, der am 7. Januar 2005, in Bremen mit Brechmitteln zu Tode gefoltert wurde, haben es auf den Punkt gebracht wenn sie die Frage stellen: (mehr…)

Redebeitrag: 6 Jahre Ermittlungen – keinerlei Aufklärung

Gehalten am 8. April 2018 bei der Demonstration „Burak unvergessen – Aufklären und Gedenken“ und der anschließenden Einweihung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“

Redebeitrag der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş:

Was können wir zum Thema Aufklärung, zum Thema Ermittlungen sagen, sechs Jahre nach dem Mord an Burak Bektas? Von sich aus wenden Polizei und Staatsanwaltschaft sich nicht an die Öffentlichkeit. Immer wieder haben wir uns in den letzten Jahren gefragt: Wurden die Ermittlungen de facto eingestellt? Auch in der aktuellen Kleinen Anfrage der Linkspartei im Berliner Senat war das die Ausgangsfrage – die Antworten stehen noch aus.

Es gibt bis heute keine Ermittlungsergebnisse und die Polizei und Staatsanwaltschaft scheinen den Fall zu ignorieren. Sie wollen nicht daran erinnert werden und nicht darüber sprechen. Im Zusammenhang mit der aktuellen Nazi-Anschlagsserie in Neukölln kann sich die Leiterin der Rechtsextremismus-Abteilung des LKA Berlin nicht mal an einen rechten Mord in Neukölln erinnern. Sie sagen, sie haben aus den NSU-Morden gelernt. Wir sagen nein, das stimmt nicht!

Es gibt mehrere Konstanten in der Ermittlungsarbeit und der Öffentlichkeitsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft in den letzten 6 Jahren.

Tatsächlich gab es in der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei im Fall Burak einen Unterschied zum Umgang der Ermittlungsbehörden mit den NSU-Morden in den Jahren davor. Die Familie und Buraks Umfeld wurde in der öffentlichen Darstellung von Anfang an nicht als Verdächtige dargestellt. Die Opfer wurden nicht zum Täter gemacht, es gab keine rassistische Hetzkampagne mit Lügen und Spekulationen gegen die Angehörigen. (mehr…)

6 yıldır süren soruşturma halen açıklığa kavuşturulmadı

8 Nisan 2018’de yapılan “Burak’ı Unutma- Hatırla ve Aydınlat” eyleminde ve “Burak ve benzeri vakalar için algoritma” heykelinin açılışında yapılmıştır

Burak Bektaş Cinayetinin Aydınlatılması İnisiyatifinin Konuşması:

Burak Bektaş’ın cinayetinin altıncı yılında, aydınlatma, soruşturma konusunda ne söyleyebiliriz? Polis ve savcı, kendi isteğiyle basına çıkmıyor. Geçtiğimiz yıllarda sık sık şu soruyu sorduk kendimize: Soruşturma aslında kapatıldı mı? Berlin Senatosundaki sol partinin geçtiğimiz günlerde yaptığı kısa anketindeki temel sorusu da buydu, cevapları halen bekliyoruz.

Bugüne dek herhangi bir soruşturma bulgusu yok. Görünen o ki polis ve savcı davayı göz ardı ediyor. Hatırlamak ve bu konu hakkında konuşmak istemiyorlar. LKA Berlin Sağ aşırıcılık departmanının direktörü, Neukölln’deki güncel Nazi saldırı serilerini de ilgilendiren konuşmasında, Neukölln’de sağcı bir cinayet olduğunu hatırlamadığını ifade etti. NSU cinayetlerinden çok şey öğrendiklerini söylüyorlar. Biz, hayır, bu doğru değil diyoruz!

Son 6 yılda, emniyetin ve savcılığın soruşturmasında ve basın çalışmalarında birçok sabit etken var.

Polisin Burak ile ilgili basın çalışmalarında gerçekten de daha önce vuku bulan NSU cinayetlerinden farklı bir soruşturma süreci izlendi. Burak’ın ailesi ve yakın çevresi, basında başlangıçta şüpheliler olarak yansıtılmadı. Kurbanlara suçlu muamelesi yapılmadı. Yalanlar ve spekülasyonlarla Burak’ın yakınlarına karşı ırkçı bir nefret kampanyası yürütülmedi. (mehr…)

Audio vom 8. April 2018 – Enthüllung der Skulptur

Am 8. April 2016 fand zum 6. Jahrestag des Mordes an Burak Bektaş die Demonstration „Burak unvergessen – Aufklärung und Gedenken“ statt.
Hier ein Redebeitrag von Faruk Aslan, der die Enthüllung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähliche Fälle“ einleitete.

zum Herunterladen: archive.org (mp3 | ogg)

Audios vom 8. April „Burak unvergessen – Aufklärung und Gedenken“

Demonstration zum 6. Jahrestag der Ermordung von Burak Bektaş und Einweihung der Skulptur „Algoritmus für Burak und ähnliche Fälle“, Gedenkort Burak, Möwenweg Ecke Rudower Straße

Aufgenommen und gesendet von Radio Aktiv Berlin bei UKW 88.4 in Berlin mit Redebeiträgen und Grußworten (in Reihenfolge) – der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş / – der North-East-Antifa / – des Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992 / – Bündnis Tag der Solidarität aus Dortmund / – Initiative in Gedenken an Oury Jalloh / – NSU-Nebenklage / – RA Daimagüler

zum Herunterladen: archive.org (mp3 | ogg)

Redebeitrag von Ibrahim Aslan, Überlebender des rassistischen Mordanschlags 1992 in Mölln, der am Gedenkort Burak Bektaş diese Rede hielt, aufgenommen von der Initiative zum Gedenken an Ramazan Avcı.

zum Herunterladen: archive.org (mp3 | ogg)

Fotos von der Gedenkdemo/Einweihung der Skulptur & von der Aufstellung der Skulptur

Fotos vom 8. April 2018 – Gedenkdemo zum 6. Jahrestag des Mordes an Burak Bektaşflickr.com/photos/paulhanewacker/albums/72157693642335091

Fotos vom 5. April 2018 – Jahrestag des Mordes an Burak Bektaş & Aufstelung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“
flickr.com/photos/paulhanewacker/albums/72157689664419740

Einige Momente aus Buraks viel zu kurzem Leben

Burak Bektaş wurde am 14. Februar 1990 im ehemaligen Kinderkrankenhaus am Mariendorfer Weg geboren. Er war das erste Kind von Ahmet und Melek. 2 Jahre später wird Buraks Bruder Fatih geboren, 2002 kommt dann Buraks kleine Schwester Melike dazu.

Die ersten 5 Jahre lebte Burak in der Weisestraße in Neukölln und ging in der Treptower Straße in die Kita. Er hatte eine glückliche Kindheit, er war immer gelassen, fröhlich, ein verantwortungsbewusster Junge mit einem sehr großen Herz. Die Familie zog dann ans Kiehlufer und Burak wechselte mit sechs Jahren, also im Jahr 1996, von der Kita in die Hans-Fallada-Grundschule in der Harzer Straße.

Von der 7. bis zur 10. Klasse ging er in die Heinrich-Heine-Schule, eine Realschule, in der Rütlistraße. Er war ein sehr beliebter Junge unter seinen Freunden, mit denen er schon im Sandkasten zusammen gespielt hatte. Er war ein fröhlicher Mensch und spielte viel mit seinen Geschwistern. Er liebte es, seine Schwester mit dem Kinderwagen zu schieben.

Im Jahr 2009, zog er mit seinen Eltern und seinen beiden jüngeren Geschwistern vom Kiehlufer nach Süd-Neukölln in die Nähe des Krankenhauses an der Rudower Straße, also hier um die Ecke.

Nach der 10. Klasse arbeitete er u.a. als Pizza-Kurier, machte ein Praktikum bei Fiat und begann dann 2010 eine Lehre als Automobilkaufmann. Burak besuchte die Berufsschule in Mitte am Spittelmarkt und fuhr zur Arbeit nach Reinickendorf. Seine Lebensperspektive und sein Ziel war irgendwann mal seine eigene Kreation von Autos zu bauen. Er wollte ein fleißiger Student und Techniker werden. Er hatte einen Nissan-Kleinwagen und war ein sehr lebensfroher Mensch. Er war viel unterwegs, hin und her, Arbeit, Sport und zwischendurch „Mama, soll ich was einkaufen? Soll ich was mitbringen?“ Action, immer. Manchmal fuhr er mit seiner Schwester und ihren Freundinnen in das 3D-Kino am Potsdamer Platz. Oder er traf sich mit seinen Freunden. Die waren ihm immer sehr wichtig. Sie haben immer zusammengehalten. Langjährige Freundschaften. Ausgehen, Spaß haben. Er war immer offen und hilfsbereit. Fitness und Kampfsport waren seine Hobbies. er ging schon seit einiger Zeit mehrmals die Woche zum Wing Tsun – Kampfsport.

Auch am Abend des 5. April war er noch beim Training ehe er sich mit seinen Freunden traf… Und ein Unbekannter plötzlich sein Leben beendete.

Message of Solidarity from Rita and Philip Holland at the sixth day of death of Burak Bektaş

Rita and Philip Holland are the parents of Luke Holland who was killed on the 20th of September 2015 by the Nazi Rolf Zielezinski. Luke was 31 years old. 2016 the process against Rolf Zielezinski took pace. The flat of Rolf Zielezinsk was full of Nazi devotional objects. Despite of that the sentence of the court in Berlin said he murdered without reason.

Was Rolf Zielezinski also the murderer of Burak Bektaş?

The Message of Solidarity from Rita and Philip Holland:

We are sorry we cannot be with you on this, another sad day, that should never have been.
We think of Burak and his beautiful family every day.
Their pain is always with us.
We cannot understand why the police and authorities in Berlin have still not properly investigated Burak’s murder.
It is an outrage and a scandal that a young German citizens murder can be ignored.
We applaud your courage and determination to bring Burak’s murderer to justice.
Never give up your fight against this treacherous injustice.
Our Love Strength and Support are always with you and most especially today.
Rita and Philip, Luke’s mother and father

-- Deutsch --

Grußbotschaft von Rita und Philip Holland zum 6. Todestag von Burak Bektaş

Rita und Philip Holland sind die Eltern von Luke Holland, der 31jährig am 20.09.2015 vom Nazi Rolf Zielezinski ermordet wurde. 2016 fand der Prozess wegen des Mordes an Luke Holland statt. Obwohl die Wohnug von Rolf Zielezinski voller Nazidevotionalien war, wurde vom Gericht in Berlin ein Mord aus nationalsozialistischer Gesinnung ausgeschlossen, es sei ein Mord ohne Motiv.

War Rolf Zielezinski auch der Mörder von Burak Bektaş?

Hier die Grußbotschaft von Riat und Philip Holland:

Es tut uns leid, dass wir in diesem Moment nicht bei euch sein können,
ein weiterer trauriger Tag, der nie hätte sein sollen.
Wir denken jeden Tag an Burak und seine wunderbare Familie.
Ihr Schmerz ist immer mit uns.
Wir können nicht verstehen, warum die Polizei und die Behörden in Berlin
den Mord an Burak immer noch nicht ordentlich untersucht haben.
Es macht wütend und ist ein Skandal, dass der Mord an einem jungen deutschen Bürger so ignoriert werden kann.
Wir sehen und bewundern euren Mut und eure Entschlossenheit im Streben nach Gerechtigkeit für den Mord an Burak.
Gebt nie auf in eurem Kampf gegen diese tückische Ungerechtigkeit.
Unsere Liebe, unsere Kraft und unsere Unterstützung sind immer mit euch aber besonders an dem heutigen Tag.
Rita und Philip, die Eltern von Luke Holland

rbb-Abendschau zur Einweihung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“

weitere Presseberichte findet ihr unter burak.blogsport.de/presse/

Gedenkdemonstration an Mehmet Kubasik in Dortmund


Am 4. April 2006 wurde Mehmet Kubasik in seinem Kiosk an der Mallinckrodtstraße 190 erschossen – vom sog. Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Am zwölften Jahrestag des Mordes an Mehmet Kubasik gedachten am Mittwoch (4.4.) hunderte Menschen an ihn. Und sie forderten lückenlose Aufklärung im Fall des NSU. Die Demonstration zog vom Gedenkstein an Mehmet Kubasik, zum Denkmal für die Opfer des NSU vor dem Gebäude der Auslandsgesellschaft.
6. Tag der Solidarität – Gedenken an die Opfer des NSU
Bericht vom Gedenken
Naziaufmarsch in Dortmund am 14.04.2018

Am 4. April 2018 wäre Luke Holland 34 Jahre alt geworden

Wir waren an Luks Geburtstag an seiner Todesstelle Ringbahnstraße Ecke Walterstraße und haben Blumen und Kerzen aufgestellt.

Luke Holland war nach Berlin als Anwalt gekommen, nachdem er in Oxford studierte und in Japan gelebt hatte. Er arbeitete in einer Firma in Berlin, deren Mtbegründer er war, und die Start-Up-Firmen juristisch beriet. Als er am 20.09.2015 ermordet wurde, hatte er gerade ein Telefonat mit einem Freund in England beendet, dem er zum Geburtstag gratuliert hatte. Er sprach dabei natürlich Englisch. Das reichte dem Nazi Rolf Zielezinski um ihn mit einer Schrottflinte zu ermorden.

Luke Holland wurde am 20.09.2015 von dem Nazi Rolf Zielezinski ermordet. In der Akte zur Ermordung von Burak Bektaş, wird bereits Rolf Zielezinski als Tatverdächtiger erwähnt, seine Wohnung wurde 2006 wegen illegalem Waffenbesitz von der Polizei durchsucht und scharfe Munition gefunden, das Ermittlungsverfahren wurde nicht weiter verfolgt. Er wohnte wenige Häuser vom Tatort entfernt.

Wäre der Mord an Luke Holland zu vermeiden gewesen, wenn die Ermittlungsbehörden intensiver zur Ermordung von Burak Bektaş ermittelt hätten?

Informationen zum Prozess zum rechten Mord an Luke Holland findet ihr unter Mord an Luke H. Prozessberichte.

Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ wird aufgestellt.

Die Vorbereitungen für die Einweihung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ am Gedenkort für Burak Bektaş sind in vollem Gange. Am Sonntag 14 Uhr Gedenkdemo ab U Britz-Süd und gemeinsame Einweihung. See You…

PM „Brisantes Detail zum Versagen der Ermittlungsbehörden im Fall Burak Bektaş“

6. Jahrestag des unaufgeklärten Mordes / Zwei Meter hohe Bronzeskulptur wird errichtet

Einen Tag vor dem 6. Jahrestag des Mordes an Burak Bektaş werden heute in einem Beitrag des RBB (siehe unten) zentrale Einschätzungen der Polizei und Staatsanwaltschaft zum Fall widerlegt und ein weiteres brisantes Detail aus den Ermittlungen im Fall Burak Bektaş öffentlich.
Dieses gibt einen weiteren Hinweis auf das Versagen der Ermittlungsbehörden: Bei Rolf Zielezinski, der im September 2015 den Briten Luke Holland in Neukölln ermordet hatte, habe die Polizei einen Revolver Armi Jäger, Kaliber 357 gefunden, der ein Indiz für eine Verbindung zwischen beiden Morden sein könnte:

Eine Waffe mit der „es möglich ist, die in Buraks Fall verwendete Munition zu verschießen. Auf der Trommel des Revolvers fand das LKA Schussrückstände, deren Zusammensetzung den Schmauchspuren an der Kleidung der beiden Schwerverletzten (Alex und Jamal) ähnelt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Spuren von diesen Schüssen stammen, heißt es in einem Gutachten. Eine eindeutige Zuordnung durch eine ballistische Untersuchung war wegen des Zustands des Revolvers nicht möglich“, heißt es im Beitrag.

Dieses Detail ist deswegen so brisant, da die Berliner Staatsanwaltschaft seit Jahren die Kritik von Angehörigen, Anwälten und der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş zurückweist und behauptet, allen Spuren mit großer Sorgfalt nachgegangen zu sein. Ein Tatverdacht gegen Rolf Zielezinski habe sich angeblich nie erhärtet. Eine Antwort auf die schmerzende Frage von Buraks Mutter, wie die Behörden zu diesem Schluss kommen, blieben sie bisher schuldig. Offensichtlich sind hingegen die katastrophalen Lücken in den Ermittlungen: Eine Befragung von Rolf Zielezinski zum Mord an Burak hat es nie gegeben, nicht einmal ob er ein Alibi hat wurde untersucht. Eine von den Tatzeugen des Mordes erbetene Gegenüberstellung wurde verweigert. Und das obwohl Rolf Zielezinski in der Akte von einem Hinweisgeber als möglicher Mörder genannt wird, obwohl bei ihm eine Waffe gefunden wurde, die als Tatwaffe nicht ausgeschlossen werden kann, da die Schmauchspuren mit den Spuren auf der Waffe übereinstimmen.
Obwohl er nach Zeugenaussagen regelmäßig mehrmals pro Woche am Tatort vorbeigegangen ist und obwohl die Täterbeschreibung zu seinem Äußeren passt.

Dieses neue Detail macht uns fassungslos und zeigt uns wieder einmal, wie wichtig es ist, den Behörden ganz genau auf die Finger zu schauen. Wir fordern die Berliner Ermittlungsbehörden auf, endlich ihre Arbeit zu tun und den Spuren akribisch und effektiv nachzugehen! Desweiteren fordern wir den Berliner Senat auf, Konsequenzen aus dem Versagen der Ermittlungsbehörden zu ziehen. Wir fordern ein grundlegendes Neuaufrollen der Ermittlungen!, so Ulrike Schmidt von der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş.

Mit einer zwei Meter hohen Skulptur aus Bronze wird die Initiative am kommenden Sonntag in direkter Nähe des Tatorts die Kritik an den Ermittlungsbehörden zum 6. Todestag von Burak Bektaşim öffentlichen Raum zementieren. Die Skulptur mit dem Namen „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ wurde von der leider im Dezember 2017 verstorbenen Künstlerin Zeynep Delibalta entworfen. Über 48.000 Euro hat die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş in den letzten zwei Jahren gesammelt, um einen Gedenkort zu schaffen. Der Gedenkort steht für all den Schmerz, die Trauer und die Wut, welche Buraks Angehörige seit dem Mord begleiten. Er soll ihnen ein Ort des Gedenkens und der Begegnung sein sowie öffentlich darauf hinweisen, dass die Tat bis heute nicht aufgeklärt ist. Der Platz an der Rudower Straße wurde vom Bezirk Neukölln zur Nutzung überlassen.

Am Sonntag 8.4.2018 wird die Skulptur auf dem Gedenkort anlässlich des 6. Todestages von Burak Bektaş feierlich eingeweiht.
Eine Demonstration wird zum Gedenkort führen.

14 Uhr Demonstration ab U-Bahnhof Britz-Süd zum Gedenkort danach ab 15 Uhr Einweihung der Skulptur auf dem Gedenkort (Rudower Str./Möwenweg)

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_*der zitierte RBB-Beitrag*_

Burak Bektaş, der Mord an Luke Holland und eine Indizienkette (4.4.2018) Von Philip Meinhold Kulturradio-rbb

ausführlich (bei 51:33min):
Burak und Luke – zwei Morde in Berlin Neukölln – Eine Recherche von Philip Meinhold. kulturradio vom rbb link

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H I N T E R G R U N D I N F O R M A T I O N E N

Was ist passiert?
Gegenüber des Krankenhaus Neukölln steht Burak mit Freunden und unterhält sich. Ein unbekannter – nach Zeugenaussagen – „weißer Mann“ geht gezielt auf eine Gruppe „migrantischer Jugendlicher“ zu und feuert mehrere Schüsse auf sie ab. Der damals 22-jährige Burak wird getroffen und stirbt – seine Freunde Alex und Jamal werden schwer verletzt und können nur durch Notoperationen gerettet werden. Sie leiden bis heute an den Folgen. Die Jugendlichen haben den Täter noch nie zuvor gesehen.

Burak wurde wenige Monate nach der Selbstenttarnung des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) ermordet. Die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş/sieht deutliche Parallelen und fragt danach, ob es sich etwa um eine Nachahmungstat handeln kann.

Warum ein Gedenkort?
Der Mord an Burak Bektaş schafft bis heute große Verunsicherung auf den Straßen – vor allem unter Jugendlichen, die von Rassismus betroffen sind. Von den NSU-Morden haben wir gelernt: Es reicht das Schweigen und die Ignoranz der Mehrheit, während die Minderheit bedroht und angegriffen wird. Diese Strategie darf nicht aufgehen!

Es war der Wunsch von Melek Bektaş, einen unübersehbaren Gedenkort für ihren Sohn in der Nähe des Tatorts zu schaffen. Den Wunsch griff die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş auf und unterstützte die Umsetzung und Spendensammlung, damit der Gedenkort von staatlichen Stellen unabhängig bleibt und den Wünschen der Angehörigen entspricht.

Für ihr Engagement und ihre Beharrlichkeit sind Familie Bektaş und Unterstützer*innen längst bundesweit bekannt und mit anderen Angehörigen und Betroffenen vernetzt, insbesondere mit Familie Arslan (Betroffene des Brandanschlags von Mölln 1992), Familie Avcı (1985 wurde Ramazan Avcı in Hamburg von Neonazis getötet), Familie Taşköprü (Süleyman Taşköprü wurde 2001 vom NSU ermordet), Familie Holland (Luke Holland wurde 2015 in Berlin-Neukölln von einem Nazi erschossen) sowie anderen Angehörigen und Betroffenen rassistisch und neonazistisch motivierter Morde. Bereits im Oktober 2016 wurde das Engagement für den geplanten Gedenkort mit dem Hans-Frankenthal-Preis der Stiftung Auschwitz-Komitee ausgezeichnet.

Hintergrundtext: Warum ziehen wir ein rassistisches Motiv in Betracht?

Mehr und weiterführende Informationen: http://www.gedenkort-fuer-burak.org/

Radio-Feature: Burak und Luke – zwei Morde in Berlin Neukölln

Gesendet wird das Feature beim Kulturradio-rbb UKW 92,4 MHz am Mittwoch, den 4. April um 22:04 Uhr.

Am 4. April 2018 wäre Luke Holland 34 Jahre alt geworden, wäre er nicht am 20. September 2015 von Rolf Zielezinski ermordet worden.

Vorhören könnt ihr das Feature online unter
link

Hört euch die Radiorecherche von Philip Meinhold an:

Spannendes Detail aus dem Feature (min 51:26)
“Luke Holland wird mit einem Gewehr erschossen, Burak Bektaş mit einem Revolver. Allerdings findet die Polizei bei Rolf Z. (dem Mörder von Luke) weitere Waffen. Unter anderem ein Revolver Armi Jäger, Kaliber 357. Eine Waffe mit der es möglich ist, die in Buraks Fall verwendete Munition zu verschießen. Und auf der Trommel des Revolvers findet das LKA Schußrückstände, deren Zusammensetzung mit den Schmauchspuren der verletzten Alex und Jamal übereinstimmen. Das Fazit der Untersuchung: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Waffe bei dem Mord an Burak verwendet wurde. Eine eindeutige Zuordnung durch eine ballistische Untersuchung war durch den Zustand des Revolvers nicht möglich.“

Die Berliner Polizei kann mal wieder nichts ausschließen, aber hat wie immer keine Ergebnisse zu liefern. Als Konsequenz aus dem Versagen der Ermittlungsbehörden fordern wir weiterhin ein konsequentes Neuaufrollen der Ermittlungen!

Am 5. April 2018 ist der Mord an Burak Bektaş 6 Jahre her.

Anlässlich des 6. Jahrestags des Mordes an Burak Bektaş rufen wir zu einer Gedenkdemonstration am 8. April 2018 um 14 Uhr ab U-Bahnhof Britz-Süd auf. Im Anschluss findet ab 15 Uhr die Einweihung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ von der Künstlerin Zeynep Delibalta am Gedenkort für Burak Bektaş in unmittelbarer Nähe des Tatortes – Rudower Straße Ecke Möwenweg – statt.

Internationaler Tag gegen Rassismus: Leiterin der Rechtsextremismus-Abteilung des LKA bestreitet rechte/rassistische Morde in Berlin-Neukölln

Am vergangenen Mittwoch, 21. März, dem internationalen Tag gegen Rassismus, äußerte die Leiterin der Rechtsextremismus-Abteilung des LKA Berlin Frauke Jürgens-El Hansali in der rbb-Abendschau (16:30 Min.), dass die Berliner Polizei ihre Lehren aus dem NSU gezogen habe. Selbst bei Fällen, in denen nur die Vermutung bestehe, es könnte sich um eine rechtsextreme Tat gehandelt haben, finde eine Ermittlung durch ihre Abteilung statt. Zudem äußerte sie, dass es in Berlin noch zu keinen rechten Tötungsdelikten gekommen sei. Dazu kommentiert Ulrich Schmidt, Sprecher der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş:

„Anders als Frau Jürgen-El Hansali Glauben machen will, können wir nicht erkennen, dass die Berliner Polizei ihre Lehren aus dem NSU gezogen hat. Wir finden es erschreckend, dass in einem Interview zu rechten Straftaten in Neukölln sowohl der Mord an Burak Bektaş am 5. April 2012 gegenüber dem Krankenhaus Neukölln als auch der Mord an Luke Holland am 20. September 2015 in der Ringbahnstraße offensiv verschwiegen werden!“

Seit Jahren weisen wir als Initiative darauf hin, dass im Fall Burak Bektaş keine ausreichenden Ermittlungen in Richtung eines rassistischen Motivs stattgefunden haben. Der Mord an Luke Holland wird bis heute von der Berliner Polizei nicht als rechter Mord eingestuft, obwohl sich bei dem verurteilten Täter Nazi-Devotionalien, Waffen und Schwarzpulver gefunden wurden und er im Vorfeld des Mordes an Luke Holland eindeutig rassistische Aussagen getätigt hatte. Rolf Z. findet sich als Verdächtiger auch in der Akte von Burak Bektaş – eine von den Augenzeugen des Mordes an Burak Bektaş gewünschte Gegenüberstellung wurde von der Berliner Polizei trotzdem verweigert, Ermittlungen zu einem Zusammenhang beider Taten sind nicht erkennbar.

Bei der Brandanschlagsserie in Neukölln wird – auch ohne dass bisher ein Täter gefasst wurde – zu Recht von einer rechten Anschlagsserie ausgegangen. Wir fragen:

Wieso wird bei dem nicht aufgeklärten Mord an Burak Bektaş nicht auch von einem rassistischen Motiv – als Lehre aus dem NSU – ausgegangen?1 Wieso wird von den Ermittlungsbehörden immer noch gebetsmühlenartig wiederholt, man müsse „in alle Richtungen“ ermitteln? Müsste das nicht Ermittlungen gegen Rechts mit einschließen?
Wieso wird der Mord an Luke Holland, der von einem Menschen mit einem nationalsozialistischen Weltbild ermordet wurde, nicht als rechter Mord angesehen?

Der Tathergang und der Zeitpunkt des Mordes an Burak Bektaş deuten auf einen rassistischen Mord oder gar eine NSU-Nachahmungstat hin. Wie lange wollen die Ermittlungsbehörden diese Hinweise noch ignorieren?

Was wir über die polizeilichen Ermittlungen zum Mord an Burak Bektaş wissen:

  • Das LKA Berlin hat beim „Gemeinsamen Abwehrzentrum gegen Rechts“ (GAR)2 jeweils am 5. April, 10. April, 12. April und 19. April 2012 über den Mord an Burak Bektaş berichtete.3
    Anschließend sprechen die ermittelnde Staatsanwaltschaft und das LKA Berlin nur noch von „Ermittlungen in alle Richtungen“.
  • Die Akte zu einer Hausdurchsuchung im Jahr 2006 bei Rolf Zielezinski, dem überführten Mörder von Luke Holland. (der auch ein Tatverdächtiger im Mord an Burak Bektaş ist) wurde Jahre später gelöscht/geschreddert und konnte im Mordprozess gegen ihn 2016 nicht hinzugezogen werden.
  • Die Seiten in der Akte zum Mord an Burak Bektaş sind teilweise nicht nummeriert. Wie bei der NSU-Mordserie, ist es so nicht möglich nachzuvollziehen, ob die Akte vollständig ist oder Aktenteile fehlen/herausgenommen wurden.

So sagt eine Sprecherin der Initiative:

„Wir finden es besonders bitter, dass die Leiterin der Rechtsextremismus-Abteilung des LKA Berlin Frauke Jürgen-El Hansali kurz vor dem 6. Jahrestag des Mordes an Burak Bektaş am internationalen Tag gegen Rassismus behauptet, es hätte in Berlin-Neukölln „nur“ schwere rechte Straftaten, aber keine Tötungsdelikte gegeben.“

Anlässlich des 6. Jahrestags des Mordes an Burak Bektaş rufen wir zu einer Gedenkdemonstration am 8. April 2018 um 14 Uhr ab U-Bahnhof Britz-Süd auf. Im Anschluss findet ab 15 Uhr die Einweihung der Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ von der Künstlerin Zeynep Delibalta am Gedenkort für Burak Bektaş in unmittelbarer Nähe des Tatortes – Rudower Straße Ecke Möwenweg – statt.

  1. Hintergrundtext: Warum ziehen wir ein rassistisches Motiv in Betracht [zurück]
  2. Im Dezember 2011 wurde das „Gemeinsame Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus“ (GAR) eingerichtet. Beteiligt sind außer BfV und BKA alle Landesämter für Verfassungsschutz, alle Landeskriminalämter, die Bundespolizei, der Militärische Abschirmdienst (MAD), die Generalbundesanwaltschaft (GBA) und der Bundesnachrichtendienst (BND). [zurück]
  3. 16.02.2016 Kleine Anfrage an die Bundesregierung – BT-Drucksache 18/7442 (Seite 5) [zurück]